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zur Demütigung hat und zur Selbstprüfung, und nicht leicht, außer bei Leichtsinn, die vorliegenden Steine im Wege liegen läßt, sondern sie zu beseitigen sucht. – Die Privatbeichte bringt die Nötigung, sein inneres und äußeres Leben nach allen Seiten hin zu durchforschen und zu durchsuchen und sich darüber auszusprechen. Man hat nicht immer grobe Sünden zu bekennen; aber die sündige Art hat die mannigfachsten Erscheinungsformen, und je öfter man das Geschäft der Selbstprüfung treibt, je ernster und gründlicher man es vornimmt (und mit der Übung wächst die Fähigkeit und wird zur Fertigkeit), desto weniger fehlt es an Stoff zum Beichten. Auf diesem Wege wird man erst ein rechtes Beichtkind, bekommt Erfahrung und eine Fülle des Segens. – Nirgends kommt die Heilsordnung so handgreiflich zur Erscheinung als in der Beichte und Absolution und im Sakrament des Altars. Da hat Buße und Glaube eine stetige Übung wie nirgends sonst. Auf diesem Wege wächst man und wird stark in beiden. Der Mißbrauch ist freilich auch auf dem Wege nicht allzuselten. Es gibt Menschen, die diese Gnadenmittel fleißig brauchen und bei denen die sittliche Wirkung ausbleibt und bei denen es nie zu einem rechten lauteren Christenwandel kommt, oder die in ihrem sittlichen Leben rückwärts kommen. In solchem Fall ist Aufsehen not, weil sonst Gottes Gericht, namentlich Krankheit und früher Tod eintritt, 1. Kor. 11, 30. Der HErr übt hier unmittelbar seine Zucht, schont nicht den sträflichen Leichtsinn und die Profanation des Allerheiligsten.

 Es handelt sich nun noch um die Taufe. Kann man diese zu geistlichen Übungen brauchen, da sie ja doch ihrer Natur nach nicht wiederholt werden kann? Ja, eben dadurch entfaltet sie ihre Wirkung, die durch das ganze Leben hindurch geht, bis in den Tod hinein, da der Christ zum ewigen Leben wiedergeboren ist. Die heilige Taufe ist eine Quelle des Trostes und göttlicher Kraft; wenn sie recht gebraucht wird und wenn man durch fleißige Betrachtung sich recht ihres Wesens und ihrer Wirkung bewußt wird.

 Die Taufe ist eine Quelle des Trostes wider die Sünde. Sie ist ein Heilbrunnen, durch welchen alle Sünden des ganzen Lebens abgewaschen sind und in dem man sich täglich waschen kann; wenn man, um mit Luther zu reden, immer wieder von neuem in die Taufgnade kriecht. Hebr. 10, 22. Die Taufe ist ein Bund mit Gott, der ewig feststeht, auch wenn der Mensch untreu wird, 1. Petr. 3, 21; Jes. 54, 10, indem die Rückkehr durch Buße und Absolution immer wieder