Seite:Friedrich Bauer - Christliche Ethik auf lutherischer Grundlage.pdf/294

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

möglich ist. Die Taufe ist ein Siegel der Erwählung, Eph. 4, 30; 1, 13; 2. Kor. 1, 21. Wer deshalb angefochten ist, findet darin den sichersten Trost.

 Die Taufe ist auch ein Trost wider den Tod. Der Christ wird im Tode kraft seiner Taufe völlig frei von der Sünde; denn es ist in ihr die Seele, und in Hoffnung auch der Leib, wiedergeboren zu einem himmlischen Leben, wie denn auch der Leib durch die Taufe zu einem Tempel des heiligen Geistes geheiligt ist. Die Taufe ist ein Jungbad für den ganzen Menschen.

 Die heilige Taufe ist auch eine Quelle neuer Kraft, ja der täglichen Erneuerung, Röm. 6, 4; Luthers kleiner Katechismus. Was in der Taufe angefangen ist, die Tötung des alten Menschen, wird kraft der Taufe in der täglichen Buße fortgesetzt, so daß der alte Mensch von Tag zu Tag abnimmt, und der neue Mensch von Tag zu Tag erneuert wird, 2. Kor. 4, 16, alles kraft der heiligen Taufe, die unterstützt wird durch die andern Gnadenmittel.

 Darin liegt die weitgehende sittliche Verpflichtung der Taufe, dem Teufel und allem seinem Wesen (pompa) und allen seinen Werken zu entsagen und sich dem dreieinigen Gott zuzusagen. Das ist das Tauf- und gleicherweise das Konfirmationsgelübde, das der Christ fleißig, ja womöglich täglich oder wenigstens bei jedem wichtigeren Anlaß im geistlichen Leben, z. B. beim Sakramentsgenuß wiederholen soll (Erneuerung des Taufbundes), daß das Andenken an die heilige Taufe stets frisch im Gedächtnis grüne. So lebt sich der Mensch so recht in die Grundlagen seines geistlichen Lebens hinein und macht sie zur Segensquelle für die Gegenwart und Zukunft.

 Aus alledem erhellt, wie wichtig die heilige Übung in göttlichen Dingen ist; ohne sie bleibt man ein Stümper in diesen Dingen, ein Kind, und kommt nie zur Mannheit in Christo. Das Heiligtum ist dem Menschen in die Hände gegeben; wie er es benützt, das ist seine Sache. Aber alles ist nur Mittel zum Zweck. Wehe dem, der die Sache anders ansieht!

 7. Das Gelübde. Es gehört auch zur Askese und ist eine gottesdienstliche Handlung, aber verschieden von den vorausgehenden Arten, weil es ausschließlich auf Freiwilligkeit beruht. Es wird das Gelübde von vielen Ethikern (Harleß), außer dem Tauf- und Konfirmationsgelübde, welche eigentlich nur unter den Begriff Bundesschließung gehören und die menschliche Seite derselben bezeichnet, also nicht hieher