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Es ist das charakteristische Zeichen unserer Zeit, daß Volkstum und Staat sich je länger je mehr vom Christentum und dem Einfluß desselben auf seine Verhältnisse lossagt und daß das Volk und der Staat je länger je mehr entchristlicht wird.

 b) Der Einfluß des Christentums auf die häusliche und öffentliche Sitte, auf das Kulturleben der Völker, auf Kunst und Wissenschaft.

 In Bezug auf die Familie hat das Christentum durch die Lehre von der Gleichheit aller Menschen und beider Geschlechter vor Gott die untergeordnete Stellung des Weibes und die Sklaverei, die zwei großen Schäden der außerchristlichen Welt, erfolgreich bekämpft und das Ideal der christlichen Familie der Welt vor Augen gestellt.

 Nachdem so eine Art Grundlage für die christliche Gestaltung der Familie geschaffen war, bildeten sich gute Familiensitten (Hausandachten, Tischgebet, gemeinsames Bibellesen, gemeinsamer Besuch des Gottesdienstes, Gewöhnung der Kinder zum Gebet). Das Christentum hat die rechte Zucht bewirkt, die die Herrschaft über das im weiteren Sinne zur Familie gehörige Gesinde übt; die christliche Herrschaft fühlt sich für das geistliche und leibliche Wohl des Gesindes verantwortlich, was eine humane Behandlung desselben zur Folge hat (Hauptmann zu Kapernaum, Kornelius, Abraham).

 Dem Christentum ist ferner zuzuschreiben eine Milderung der rohen, rauhen Sitten der antiken Welt sowie überhaupt eine humanere Denk- und Handlungsweise (Lazarette, das Rote Kreuz etc.).

 Das Christentum nahm auch die Kunst in seinen Dienst und gab ihr die erhabensten Motive der Darstellung in die Hand. Die Kunst an und für sich gehört dem Schöpfungsgebiet an, gehört zum natürlichen Guten. Die Kirche kann daher nicht den Anspruch erheben, daß alle Darstellung der Kunst zu ihrer Verherrlichung diene. Doch soll die Kunst eines christlichen Volkes nicht wider das Christentum sein. Im übrigen hat sie Freiheit. Im Mittelalter stellte sich die Kunst freiwillig in den Dienst der Kirche und erklomm in der Verherrlichung des neutestamentlichen Hauses Gottes selber in großartigen Schöpfungen den Gipfel hoher Vollendung. Man denke an die erhabenen Dome der mittelalterlichen Baukunst, an die Meisterwerke der Malerei, welche ihre Stoffe wesentlich aus der Bibel wie aus der Kirchen- und Heiligengeschichte nahm. Die Tonkunst hat gleicherweise mit den andren Künsten gewetteifert, das Lob Gottes im Heiligtum zu erhöhen von Ambrosius