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die den Frommen ist bereit. Wer also die Herrlichkeit erlangen will, der muß zu Leiden bereit sein. Es hängt freilich zusammen mit der Sündhaftigkeit des Menschen, daß es keinen andern Weg zur Herrlichkeit für ihn gibt, als den des Leidens. Der ursprüngliche Weg war es nicht. Der ursprüngliche Weg war der, daß der Mensch allmählich verklärt werden sollte, es sollte das natürliche oder psychische Leben erhoben werden in das geistliche Leben, ohne durch den Tod hindurchzugehen. Durch den Genuß von der Frucht des Lebensbaumes sollte sein Leib und seine Seele genährt und erhoben werden in den Stand des geistlichen Lebens. Wie dieser Prozeß hätte vor sich gehen sollen, das sehen wir ja beim Herrn, nämlich bei der Verklärung. Alles Irdische wird durchgeistet, so daß der Leib des Herrn leuchtet wie die Sonne, seine Kleider weiß werden wie der Schnee und die ganze innere Herrlichkeit auch einen Abglanz auf den Leib wirft. Das wäre der ursprüngliche und normale Weg gewesen. Aber seitdem die Sünde eingetreten ist, seitdem gilt der Grundsatz: Dieser Leib, der muß verwesen, wenn er anders soll genesen etc. Das Fleisch wünscht freilich, dieses Weges überhoben zu sein, und möchte in die Seligkeit des Zustandes der Verklärung sich hinüberträumen, wie dort der Apostel Petrus auf dem Berge der Verklärung den seligen Zustand festhalten, sich hinüberträumen wollte in den Zustand der Seligkeit. Aber das geht nicht, darum schließt der Herr an die Verklärung die Leidensverkündigung. Es geht jetzt nicht mehr anders zur Verklärung und zur Herrlichkeit, als durch Leiden und Tod hindurch. Auf keinen Tabor geht es mehr anders, als über Golgatha. War doch auch für den Herrn kein anderer Weg zur Vollendung; Christus mußte solches leiden, um zu seiner Herrlichkeit einzugehen. Luk. 24, 26. Wir wünschen nicht entkleidet, sondern überkleidet zu werden, 2. Kor. 5. Denn wenn auch die Überkleidung selber ein konzentrierter Tod sein, das Wehe und die Bitterkeit des Todes sich bei ihr in einen Augenblick zusammendrängen wird, so ist sie doch erwünschter als die Entkleidung. Aber diese Aussicht ist nur denen verheißen, die die Wiederkunft des HErrn erleben werden, 1. Kor. 15, 51 etc. Der Weg für alle andern ist der Tod; er ist die Bedingung der Erneuerung des Lebens. Mors haec reparatio vitae est, Röm. 8, 17; 2. Tim. 2, 11–12.

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 3. Name und Begriff des Kreuzes. Natürlich haben wir es hier nicht zu thun mit Kreuz in dem eigentlichen Sinne des Wortes, sondern in dem übertragenen Sinn desselben. Im eigentlichen