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Sinn des Wortes bedeutet Kreuz das Marterholz, an dem unser Herr litt und starb. So ist es hier nicht gemeint. Sodann bedeutet es in schon übertragenem Sinn das ganze Leiden und Sterben Christi, Gal. 6, 14. Da ist zu gleicher Zeit nicht bloß das Leiden und Sterben Christi, sondern auch die Frucht seines Leidens und Sterbens, die Erlösung, die er uns am Kreuz erworben, mit eingefaßt. In diesem Sinne meinen wir das Kreuz hier auch nicht. Vielmehr ist das Wort Kreuz hier von einem Leiden gebraucht, welches den Christen und zwar um seiner Zugehörigkeit zu Christo willen trifft. Dieser figürliche Gebrauch des Wortes Kreuz stammt vom HErrn selber, es ist ein eigens von ihm für das Leiden in seiner Nachfolge ausgeprägter Begriff. Matth. 10, 38. Hier ist also vom Kreuz die Rede, welches Jünger Jesu auf sich nehmen sollen und welches selbst ein Stück der Nachfolge Jesu ist. Matth. 16, 24; Luk. 14, 27. Der echte und eigentliche Begriff des Kreuzes ist also der eines Leidens um Christi willen. Das Leiden in der Nachfolge Jesu, das Leiden, welches um der Nachfolge Jesu, um des Bekenntnisses zu ihm willen einen Jünger trifft, das ist Kreuz im eigentlichen Sinn des Wortes.

 In der Predigt- und Erbauungslitteratur wird das Wort Kreuz aber in einem noch weiteren Sinn gebraucht, nämlich von dem Leiden, welches Gott aus pädagogischen Gründen über den Christen verhängt zur Bewahrung und Förderung im geistlichen Leben, vgl. z. B. Paul Gerhardts Lied: Schwing dich auf zu deinem Gott etc. v. 7. 11. – In noch mehr erweiterten Sinn bezeichnet man damit jedes dauernde Leiden, welches den Verhältnissen, in denen der einzelne Mensch sich befindet, infolge der Sünde durch Gottes Bestimmung notwendig anhaftet, welches der Christ als Gottes Schickung willig und geduldig auf sich nimmt. In diesem Sinn redet man z. B. vom Kreuz des Ehestandes, vgl. den Passus im Trauformular: Nun höret (zum 3.) auch das Kreuz, das Gott auf den ehelichen Stand gelegt hat.

 4. Mannigfaltigkeit und verschiedene Arten des Leidens. Die Spitze des Leidens um des Herrn willen ist das Martyrium, das Bekenntnis- und Zeugnisleiden, Verfolgungsleiden, θλίψις, Schmach Christi, Hebr. 11, 26; 13, 13. Auf dieses Leiden, welches natürlich ein unschuldiges ist, um der Gerechtigkeit, um Christi, um der Wahrheit willen den Christen trifft, bezieht sich die Seligpreisung Matth. 5, 10–12. Der ganze erste Brief Petri ist ein Trostbrief für Christen, die in der Hitze der Anfechtung und Verfolgung von seiten der heidnischen