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römischen Obrigkeit standen, 1. Petr. 3, 14; 4, 15. 16. Dies Leiden ist eine Ursache der Seligpreisung für den, den es trifft, und der, den es trifft, muß sich aufgefordert fühlen, nach 1. Petr. 4, 16 Gott zu preisen und zu verherrlichen. Dies Leiden ist Gnade von Gott, 1. Petr. 2, 20. Der leidende Heiland ist hierin das größte Vorbild und ihm nach der ganze Chor der Märtyrer, die Zeugenwolke, von der Hebr. 12, 1 spricht. Aus der Natur dieses Leidens – denn es ist ja eine gute That, das Bekenntnis zu Gott, die auch eine große Verheißung hat – entspringt jene Freudigkeit, jene erhabene Begeisterung, jener göttliche Enthusiasmus, den wir an den Märtyrern bewundern. Hier ist nicht die Ergebung oder die ruhige Fassung am Platz, die sonst dem Leidenden geziemt, sondern unter dem hebenden Eindruck, der Ehre eines solchen Bekenntnisses zu Christo gewürdigt zu sein, muß den Christen eine freudige und gehobene, ja begeisterte Stimmung überkommen, Akt. 5, 41. Die Apostel gingen fröhlich von des Rats Angesicht.

 Es gehört übrigens auch hierher all der mehr latente Haß der Welt, die Verachtung, Zurücksetzung, welche der Christ um seines Christenstandes willen zu ertragen hat.

 Eine andere Art des Kreuzes – das Wort im weitern Sinne gebraucht – ist das Prüfungsleiden. Das Prüfungsleiden ist nächstverwandt mit dem Bekenntnisleiden, von dem es sich nur durch den besonderen Zweck unterscheidet, zu dem es verhängt ist. Es gleicht dem Bekenntnisleiden aber darin, daß es auch ein unschuldiges ist, nicht veranlaßt oder im Zusammenhang stehend mit menschlicher Sünde. Kein Buch der heiligen Schrift dient so sehr, die Idee des Prüfungsleidens zu erfassen, als das Buch Hiob, dessen eigentliches Thema das Geheimnis des Prüfungsleidens ist. Die Leiden, die Schlag auf Schlag den Hiob treffen, die erst ihm all sein Hab und Gut nehmen und ihn in wenig Stunden aus einem reichen Fürsten zu einem armen Bettler machen, die sein Haus veröden und verwaisen und seine sieben Söhne und drei Töchter eines jähen Todes hinraffen, die dann endlich ihn selber mit der schmerzlichsten und widerwärtigsten Krankheit, dem Aussatz, heimsuchen, so daß er wie ein Wegwurf, wie ein Auswürfling der Menschheit erscheint, gemieden und gescheut von den nächsten Anverwandten, auf einem Aschenhaufen sitzend sich mit dem Scherben die schwärenbedeckte Haut schabt, um sich vor dem unerträglichen Schmerz einige Linderung zu verschaffen: alle diese Leiden sind nicht, wie die Freunde meinen, Sündenstrafen, vielmehr haben