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väterlichen Verhaltens Gottes gegen uns. Wenn auch die Liebe hier in der Gestalt der Strenge auftreten muß, so will sie doch nicht verkannt, sondern erkannt sein, Apok. 3, 19. Der häufigste biblische Ausdruck für diese Art des Leidens ist παιδεία, cf. 1. Kor. 11, 32; 1. Petr. 4, 1. 2. Als Beispiel dieser Art des Leidens können wir uns David vor Augen stellen, nämlich in der zweiten Leidenszeit, die über ihn kam, die eine Strafe für seine Sünde mit Bathseba und an Uria war. – Etwas anderer Art ist die παιδεία, welche dem Apostel 2. Kor. 12, 7 widerfährt. Dieselbe ist veranlaßt nicht durch eine Versündigung des Apostels, sondern ist nötig wegen der auch ihm noch anklebenden sündlichen Natur und soll zu seiner Bewahrung vor Sünde dienen. Diese Art der παιδεία bildet den Übergang vom Prüfungsleiden zum eigentlichen Züchtigungsleiden. Auch gehören hierher Leiden, wie sie David nach seiner Salbung und Joseph in Ägypten trafen. Diese sollten dadurch tüchtig werden für die ihnen bestimmten Aufgaben und waren zugleich eine Prüfung für sie. Auch das Leiden des HErrn selber hat nach Hebr. 5, 8 eine Seite, nach der es hierher gehört; vgl. 2, 18.

 Es wird das Wort Kreuz aber auch vielleicht mißbräuchlich, aber, wie oben gesagt, herkömmlich so gebraucht, daß man darunter die Leiden versteht, die der Christ mit der Welt gemein hat, Krankheit, Armut u. s. w., welche Gott der HErr zugleich als Strafe der Übertretung Adams als auch zur Dämpfung der bösen Lust und Arznei wider die Sünde dem menschlichen Geschlecht im allgemeinen verordnet hat, Gen. 3, 16–19. Daher: „Es kann und mag nicht anders werden, alle Menschen müssen leiden. Was lebt und schwebet auf der Erden, kann das Unglück nicht vermeiden. Des Kreuzes Stab schlägt unsre Lenden bis an das Grab etc.“ Dieses Kreuz ist eine παιδεία im weiteren Sinn. Hieher darf man auch rechnen die besonderen Plagen, wie sie Gott über ein Land schickt, Krieg, Teuerung, Pestilenz, wobei nur der Unterschied ist, daß der Christ bei diesen Leiden, die um des Zusammenhangs mit der Welt ihn treffen, doch im Zusammenhang mit Christo leidet.

 5. Ursachen, d. i. Urheber des Kreuzes. Wer bringt das Kreuz über den Christen? Einmal die Welt nach der Stelle Joh. 15, 18–25. Es ist das Bekenntnis zum HErrn, zu seinem Namen, was den Haß der Welt erweckt. Der tiefere Grund wird angegeben v. 19: Die Welt erkennt instinktartig, daß ihr im Christentum der wahren Jünger Jesu etwas nicht bloß Fremdartiges, sondern etwas, was zu ihren Neigungen und Bestrebungen im hellsten Gegensatz steht, was ihr Thun und