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des HErrn auf Erden sehen und das Glück der Lebenszeit genießen. Doch ist Gottes Gnade reich genug, um ein Menschenherz zu sättigen, wenn auch die Erde keine Freude für ihn hat, sondern ihm ein Dornstrauch ist. Da gilt das Wort: „Laß dir an meiner Gnade genügen“, oder wie es genau heißt: „meine Gnade genügt dir“, 2. Kor. 12, 9. Gottes Gnade kann ein Menschenherz sättigen mit Freude des ewigen Lebens, Hebr. 13, 5; Ps. 73, 25. 26. „Nur dich“ das klingt, wie wenn es wenig wäre, aber man soll bei sich bedenken, daß man, wenn man Gott hat, alles hat, mehr als Himmel und Erde, den ewigen Hort und die ewige Freudenquelle.

 Aus der Ergebung soll endlich werden:

 h) Lust und Liebe zu leiden, Kol. 1, 24. Ich freue mich meiner Trübsal, 1. Petr. 4, 13. Doch wird sich diese freudige Stimmung im Leiden meist nur da einstellen, wo das Leiden ein Bekenntnisleiden, ein Martyrium ist, bei andern Leiden wird man wohl mit der Ergebung zufrieden sein dürfen. Es gibt eine Reihe von Bildern mit der Unterschrift: Ich muß leiden, will leiden, kann leiden, darf leiden. Wenn jemand sagt: ich will leiden, so ist das genug; erst ist das Leiden ein Muß, dann ein Wollen. Aber wenn jemand sagt: ich darf leiden, ich küsse mein Kreuz, so ist das eine Seelenstimmung, die bei vielen, die sich ihrer rühmen, eine Überspannung ist. Mit dem Beispiel des HErrn können wir auch nicht mehr belegen als die Ergebung; Freude sehen wir bei ihm ja nicht. Etwas anderes ist der Dank für das als heilsam erkannte Leiden, Ps. 118, 21; Röm. 5, 3.

 Die entgegengesetzte Übertreibung findet sich auf Seite derjenigen, welche der sogenannten Glaubensheilung das Wort reden. Diese meinen: wo Vergebung der Sünde sei, da dürfe es keine Krankheit mehr geben; dieselbe müßte auf das Gebet des Glaubens weichen; wo sie aber nicht weiche, da liege immer ein Mangel an Glauben (resp. ein Mangel im Christenstand) zu Grunde. Allein diese Ansicht – deren letzte Konsequenzen die Beseitigung des Todes durch den Gläubigen wäre – scheitert an der Lebenserfahrung des Apostels Paulus, 2. Kor. 12, 7–9. Allerdings ist Heilung die Konsequenz der Vergebung, aber diese Konsequenz tritt zwar in vielen Fällen und mit vorläufiger Dauer schon in diesem Leben ein, aber schlechthin und für immer erst mit der ewigen Genesung in der Auferstehung. Darum kann es lebenslängliche Krankheit bei begnadigten Kindern Gottes geben und gibt es, und diesen wird auch die göttliche Stärkung nicht fehlen zum Ertragen derselben.