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ist das Gegengewicht gegen die natürliche Furcht vor dem Tode. So sagt der Apostel Paulus von sich 2. Kor. 5, 6–8: θαρροῦμεν. So weit muß es der Christ bringen, daß er gegen die natürliche Furcht das Gegengewicht des Todesmutes hat. Je mehr man sich in das, was die heilige Schrift vom ewigen Leben sagt, versenkt, desto mehr wird Todestrost und Todesmut in dem Menschen keimen. Die göttlichen Gedanken, welche Samenkörner des Trostes sind, ja aus denen eine ganze Trostessaat emporwächst, sind folgende:

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 a) Der erste Todestrost ist der: mors janua vitae, der Tod ist die Thür zum Leben. Man muß nicht haften bleiben an dem Grab und an der Verwesung, sondern der Glaube muß sich über Tod und Grab Hinüberschwingen in die Ewigkeit und muß dessen gewiß sein, daß hinter dem Tode, wenn diese Welt dem Menschen entschwindet, wie unter einem Schiffbrüchigen die letzte Planke weggezogen wird, ihm eine neue Welt aufgeht. Eine neue Welt muß ihm in Aug und Herz leuchten, so wie der HErr ja auch sich in der Nacht des Beginns seiner Leiden tröstet mit der zukünftigen Verklärung. Wenn man die Reden betrachtet, die er gesprochen hat am Abend vor seinem Leiden, so finden wir nirgends eine Beschäftigung mit seinem Tode, sondern mit seiner Herrlichkeit. Das ist ein Wink auch für uns. Hinüber über das Leiden auf die jenseitige Höhe der Verklärung sollen wir uns schwingen, dadurch kann dann das Grauen des Todes besiegt werden, wenn es auch immerhin nur wenige sein werden, die so getrost dem Tode entgegengehen wie z. B. Bengel, der sagen konnte: Wenn er sterbe, so sei ihm so, als wenn er durch die Thüre seines Studierzimmers in das Nebengemach gehe. Gott kann mehr geben und wenn sich der Christ der Heiligung befleißigt, 2. Kor. 5, 9, dann wird sein Trost und Mut zur Sehnsucht, Freudigkeit und Lust, wie wir diese Sterbenslust im höchsten Maß bei den Märtyrern sehen, von denen das Lied sagt: „Wie in Lieb sie glühen, wie sie Feuer sprühen, daß sich vor der Sterbenslust selbst der Satan fürchten mußt!“ v. 1 u. v. 3. „Furcht war nicht in ihnen, auf die Kampfschaubühnen sprangen sie mit Freudigkeit, hielten mit den Tieren Streit.“ Da ist aber vorausgesetzt ein Leben der Heiligung und ein emsiges und eifriges Bestreben, dem HErrn alle Augenblicke und Stunden zu gefallen. Deshalb sagt der Apostel: Unsere Ehre setzen wir darein, dem HErrn zu gefallen, sei es, daß wir daheim sind oder wallen. Wo dieses Streben vorhanden ist, da wird sich auch die Sehnsucht und Freudigkeit, die Lust zum Sterben einstellen und