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wenn er solche hat, gibt Bestimmungen über seinen Nachlaß, um Erbschaftsstreitigkeiten zu vermeiden. Er sorgt ferner in rechter Weise für die Seinen durch die beste Hinterlassenschaft, er läßt eine christliche Erziehung in seinem Hause walten, hinterläßt den Seinen einen guten Namen und ein gutes Beispiel. Hat er ein gottseliges Leben geführt, so hinterläßt er ihnen auch Gottes Segen. „Ich habe nie gesehen des Gerechten Kinder verarmen, oder seinen Samen nach Brot gehen“ sagt der Psalmist. Mit dem allen bestärkt er in sich das Fremdlings- und Pilgrimsgefühl, was das rechte Kennzeichen des Christen ist, 1. Petr. 2, 11; 2. Kor. 5, 1 ff.; Phil. 1, 23. Er erweckt so sich selber zu heiliger Sterbenslust.

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 b) im Sterben. Hiskia hat um Verlängerung seines Lebens, um eine Zulage an Jahren gebeten, als ihm der Prophet den tödlichen Ausgang seiner Krankheit ankündigte, und es wurde ihm dies Gebet erhört. So ist er ein Beispiel, daß auch das Gebet um eine Alterszulage in diesem Sinn, wenn es nämlich in der rechten Gesinnung der Ergebung geschieht, Gott nicht mißfällig ist. Wir haben auch sonst Beispiele solchen Gebets, Ps. 102, 25. Es wird in der heiligen Schrift als das Normale betrachtet, daß der Mensch seine Tage erfülle, daß er diejenige Altersstufe erreiche, wie sie in dem 90. Psalm in den bekannten Worten angegeben ist. Die allgemeine Grundstimmung der Ergebung vorausgesetzt kann ein Christ auch solche Wünsche betreffs der Zeit und Stunde seines Todes Gott vortragen und sich dafür ja auf das Beispiel der Gläubigen namentlich des Alten Testaments berufen. Auch rücksichtlich der Art und Weise des Todes darf ein Christ in der gleichen Voraussetzung Wünsche haben und äußern. Er darf um einen leichten und sanften Tod und Bewahrung vor einem schweren Tod bitten; gegen den bösen schnellen Tod bitten wir ja in der Litanei. Ein böser schneller Tod ist ein plötzlicher Tod, der uns unvorbereitet oder gar in Sünden überfällt und hinrafft. Der schnelle Tod ist an und für sich nicht auch schon ein böser. Es gibt, könnte man sagen, auch einen guten schnellen Tod; wenn der Christ bereit ist und es ergreift ihn der Tod auch plötzlich, so ist das ja für ihn kein Unglück, es ist eine Wohlthat, sofern sich das Sterben bei ihm auf einen Moment konzentriert. Der Heide Cäsar hat bekanntlich kurz vor seinem Tode, als bei einem Gastmahle die Frage aufgeworfen wurde, welcher Tod der erwünschteste sei, gesagt: der schnelle und unerwartete. Doch ist die Voraussetzung im letzteren Fall die, daß der Christ alle Augenblick und