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Stunden bereitet ist, Herz und Haus in Ordnung gebracht hat. Ist das der Fall, so braucht man nicht vor dem Gedanken eines plötzlichen Todes zittern, der sich ja manchen aufnötigt und aufdrängt infolge gewisser leiblicher Anlagen, z. B. bei Disposition für den Schlaganfall. Aber gegen einen bösen schnellen Tod, der uns unvorbereitet träfe, soll man recht ernstlich sein Leben hindurch beten.

 c) Das richtige Verhalten im Tode selbst

 aa) des Sterbenden. Dies ist für alle Fälle natürlich Buße und Glaube, was ohnehin die beiden Grundpfeiler des Christentums sind. Die Buße muß erweckt, der Glaube muß lebendig gemacht werden; denn in diesen beiden Stücken hängt die ganze Heilsordnung, summiert sich das ganze Christentum. Die Buße muß sich auf das ganze Leben erstrecken; denn bald liegt es ja abgeschlossen hinter ihm und vor Gott. Es ist daher zu eilen mit der Bitte um Vergebung, mit der herzlichen Bereuung alles dessen, was man aus Schwachheit des Fleisches und Anfechtung des Teufels gesündigt hat, damit das Schuldbuch zerrissen werde. Da sehen wir, daß für den Sterbenden der Glaube an das Verdienst Christi das einzige Heil ist. Hier muß die Rechtfertigungslehre triumphieren und alle Verdammnis des Herzens und die Anfechtung des Teufels niedergelegt werden mit dem Trost, daß nichts Verdammliches ist an denen, die in Christo Jesu sind, daß niemand die Kinder Gottes beschuldigen kann, niemand von der Liebe, die in Christo Jesu ist, sie trennen kann. – In den Fällen, wo es möglich ist, denn es kann einer ja auch schnell hinweggerafft werden, so daß ihm nicht einmal Minuten und Sekunden bleiben, um sich fertig zu machen – da der Tod sich ankündigt durch Krankheit, da sind auch noch andere Tugenden zu erwecken, vor allem die Ergebung. „Dein Wille geschehe“ muß der Grundton und Refrain aller Gebete des Christen sein. Zu dieser Ergebung gehört auch, daß man die bei manchen Krankheiten eigentümliche übergroße Anhänglichkeit an das Leben überwindet. Bekanntlich findet sich namentlich bei Schwindsüchtigen diese übergroße Anhänglichkeit an das Leben. Dagegen muß man ankämpfen. Weiter versöhnliche Gesinnung. Man soll, ehe man von der Erde scheidet, mit allen ins reine gekommen sein, aufgeräumt haben mit Groll und Haß und Feindschaft; denn unversöhnte Herzen finden auch drüben in der Ewigkeit bei Gott keine Barmherzigkeit, Matth. 5, 25. Es gilt, daß man mit seinem Widersacher hier auf Erden sich vergleiche. Man hat da oft zu kämpfen, sonderlich beim Landvolk, welches oft eine