Seite:Friedrich Bauer - Christliche Ethik auf lutherischer Grundlage.pdf/349

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Härtigkeit der Herzen in dieser Beziehung hat, die entsetzenerregend ist. Die langgehegten Feindschaften werden noch auf dem Kranken- und Sterbebette festgehalten. Da hat man mit allem Ernst zu bezeugen, daß denen, die sich hier nicht versöhnen wollen mit ihren Beleidigern, es auch nicht gelingen wird, in der Ewigkeit einen versöhnten Gott und Vater zu finden, und daß man selber den Zugang zur Gnade Gottes sich verriegelt, wenn man seinen Feinden nicht vergibt. Geduldig (siehe oben bei der Lehre vom Kreuz), getrost und mutig (cf. die Lehre vom Kreuz) soll der Christ sein Ende erwarten, auch fröhlich, wenn es Gott gibt. Ein Christ soll ohne Sorge für das Zeitliche sterben. Hier gilt der Spruch: „Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch,“ 1. Petr. 5, 7; Ps. 102, 29. Auch für seine Nachkommen braucht er nicht sorgen, Ps. 37, 25. Dankbar soll er sterben für die genossenen Wohlthaten Gottes und der Menschen. Denken wir an David, dessen Mund verstummte mit einem Danklied, 2. Sam. 23, 1 ff., an Simeon, Luk. 2. David dankt nochmals für die Offenbarung, die ihm Gott gegeben hat von dem Messias und von der glänzenden Zukunft seines Hauses, und geht so mit einem Lobgesang ins Grab. – Im Bekenntnis seiner Sünde wie seines Glaubens scheidet der Christ aus dem Leben. Von der Notwendigkeit der Buße und des Glaubens ist oben schon gesagt, nur daß das Besondere hier noch ist, daß das Bekenntnis gefordert wird. Das Bekenntnis ist ein gutes Zeugnis für den, der es ablegt, und hat auch eine Wirkung auf die Hinterlassenen. Wer seinen Glauben bekennt, mehrt den Hinterbliebenen die Gewißheit, daß er im Glauben stand und gestorben ist, die Gewißheit der Seligkeit. Wer von Herzen glaubt und mit dem Munde bekennt, der wird selig. Aus dem Bekenntnis schließt man auf den Glauben, man bekommt die Gewißheit, daß, der es abgelegt hat, im Frieden und selig abgefahren ist. Es ist aber auch das Bekenntnis deshalb von Wert, weil es ein Gottesdienst ist und weil es auf Gläubige und Ungläubige eine heilsame Wirkung hat. Daher, wenn es möglich ist und der Christ den innern Trieb dazu hat, soll er nicht stumm aus der Welt gehen, sondern ein Bekenntnis seines Glaubens und wahrer Buße ablegen und so das Siegel auf sein Leben drücken. Er soll im heilsbegierigen Gebrauch der Gnadenmittel der Kirche sterben. Er soll sich stärken lassen durch die heilige Absolution und Genuß des heiligen Abendmahls und soll nicht säumen, wie die Leute es häufig machen, aus Aberglauben, die erst, wenn der