Beym Segen meines Amtes dachte ich immer: ach Herr Jesu, in welcher Gefahr bin ich! laß mich von Dir lernen, Du warest von Herzen demüthig, ob Du gleich wußtest, daß Dir alle Macht übergeben war! Wenn ein treuer Diener am Evangelio etwas von Eigenliebe u. Selbstgefälligkeit bey sich gewahr wird, sonderlich wenn er Segen von seinem Amte siehet: so muß er billig davor erschrecken, u. allerdings bedenken, in welcher Gefahr er sich befinde. Thut man dieses nur mit wahrer Herzensangelegenheit, so ist der Heiland alsdann so treu, u. hilft, wenn uns menschliche Schwachheit anwandelt. Widerfährt jemanden so etwas, wie Paulus schreibt: „ihr nahmet mich auf als einen Engel Gottes“, so ist das an sich auch keine Sache zur Selbsterhebung, sondern es ist Gnade, wobey der Prediger am allermeisten gewinnt, weil er sich selbst gar nichts davon zurechnen kan. Einen Lehrer
: Gemein-Nachrichten - Beylagen I-IV 1788,5. , Herrnhut 1788, Seite 465. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:GN.A.250_Gemein-Nachrichten_1788,5.pdf/471&oldid=- (Version vom 11.6.2025)