Seite:Georg Muck - Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 1).pdf/571

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

im tiefsten Stillschweigen, nicht, wie die jetzigen Mönche, unter Rumor, Geschrei und Streit. Was sollen wir sagen von der Arbeit, welche in unserem Kloster durch den Convent gethan wird? Wahrlich, es arbeiten Brüder hier, welche lieber gar nicht arbeiten sollten, was für sie selbst und für das Kloster nützlicher wäre. Denn nach kaum halbstündiger Arbeit wollen sie da und dort herumschweifen, zum Schaden ihres Seelenheils.“

So viel über die Beschäftigung der Mönche durch Handarbeiten. Über anderweitige Funktionen der Mönche und Äbte berichtet Näheres ein in Erlangen aufbewahrtes Manuskript, verfaßt i. J. 1516 von Joh. Wirsing, damals Mönch und Kantor, nachmals Abt. Es ist betitelt: Directorium usuale, quo non solum annua divinorum officiorum persolutio, sedetiam quaedam consuetudines, prout fons salutis in praesens irrefragabiliter tenuit, breviter complectuntur. In einem vorangestellten Kalender sind die Namen der Heiligen, Märtyrer und Bekenner verzeichnet, deren an den Sonn- und Wochentagen beim Gottesdienst gedacht wurde. Bei 78 derselben sind die Gebete, Lektionen und Gesänge für ihre Gedächtnißtage genau vorgeschrieben. Neben den Namen der Heiligen sind auch die Namen von Personen eingetragen, welche Schenkungen an das Kloster gemacht und dafür Seelenmessen oder Jahrtage verordnet haben. Die drei Messen: beatae virginis, trium magorum und prodefunctis mußten an jedem Tage celebrirt werden, zwischen Himmelfahrt und Pfingsten von jedem Priester die Messe de S. Trinitate, während die Laienbrüder in diesen Tagen tausend Ave Maria täglich beten mußten. Derjenige Priester, welcher die Laienbrüder zu beaufsichtigen hatte, hieß Magister conversorum. Er mußte für dieselben an zehn Fest- und Feiertagen Beichte und Kommunion halten und an gewissen Tagen in der Katharinen- oder Volkskirche den Gottesdienst besorgen; dasselbe thaten andere Mönche in den auswärtigen Kapellen.

Den Reconvaleszenten im Infirmitorium war vorgeschrieben: vom Krankenhause sich nicht zu entfernen, nicht in den Werkstätten (officina) umherzulaufen, dem Gottesdienste im Chor

Empfohlene Zitierweise:
Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 1). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 555. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_1).pdf/571&oldid=- (Version vom 31.7.2018)