Seite:Georg Muck - Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2).pdf/102

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Darauf wurde Fleischmann von den herzoglichen Räthen nach Amberg vorgeladen und beauftragt, diesen Lehensbrief und sonstige Verhandlungen über die Belehnung mitzubringen. Fleischmann theilte die Vorladung dem Abte mit und fragte an: „ob er der Ladung folgen sollte, oder nicht? man gehe in Amberg damit um, ihn abzusetzen.“ Nach gehaltener Rücksprache mit dem Markgrafen Georg Friedrich antwortete der Abt dem Pfarrer: „er möge getrost nach Amberg gehen und den Lehensbrief vorlegen.“ Fleischmann stellte sich in Amberg. Es erfolgte zwar nicht die befürchtete Absetzung, aber ein aus Heidelberg datirter, an den Markgrafen in Onolzbach gerichteter kurfürstlicher Protest, worin es u. A. hieß: „Besonders protestiren wir gegen den Inhalt des vom Abt ausgestellten Lehensbriefes. Schon das ist ein Eingriff in unsere Rechte, daß der Abt den Pfarrer zur Leistung der Lehenspflicht vorgefordert hat, bevor wir diesen ernannt und präsentirt hatten, und daß Fleischmann ohne unser Wissen und Willen nach Heilsbronn gegangen ist, um seine Lehenspflicht zu thun. Dazu heißt es im Lehensbriefe: Fleischmann werde bezüglich der Lehre und Ceremonien nicht an uns, sondern an den Abt gewiesen. Auch wird er darin nicht auf das reine Wort Gottes (d. h. Calvins Lehre), sondern auf Menschen (d. h. Lutherischgesinnte) gewiesen, zwischen welchen sich dieser Zeit viel gefährliche Irrungen ergeben (d. h. zwischen den lutherischen Theologen, die sich gegenseitig auf’s Heftigste befehdeten). Ferner mußte Fleischmann schwören, daß er bei Irrungen zwischen ihm und der Gemeinde nirgends als vor dem Abt stehen wolle, da doch dieses Recht allein uns zusteht. Wir haben daher dem Fleischmann aufgegeben, sich von seinem dem Abt geleisteten Jurament loszumachen. Will er das nicht, oder will ihn der Abt von seinem Jurament nicht entbinden, so werden wir ihn seines Kirchendienstes entlassen.“ Des Abts Gegenerklärung ging durch den Markgrafen an den Kurfürsten. Zugleich ersuchte der Abt die Räthe in Amberg, gegen Fleischmann nichts vorzunehmen, bis die beiden Fürsten sich verständigt haben würden. Die angedrohte Absetzung erfolgte nicht, aber auch keine Antwort vom

Empfohlene Zitierweise:
Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 100. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_2).pdf/102&oldid=3315526 (Version vom 31.7.2018)