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Parteien um Roßstall und Ammerndorf 74 Stück Vieh, darunter 47 Kühe. Im Jahr des Friedensschlusses 1648 war wegen Vergütung viel Streit mit denen, welche sich mit Vieh und sonstiger Habe von Ammerndorf nach Kadolzburg geflüchtet hatten, aber eine Vergütung nicht leisten wollten, weil sie in ihrem Heimathsorte Kontributionen leisten müßten. Die markgräfliche Entscheidung lautete: daß sie an beiden Orten zu kontribuiren schuldig seien. Der westphälische Friede war geschlossen; gleichwohl zogen abgedankte Soldaten und anderes Gesindel plündernd umher. Daher wurden die Landbewohner durch ein markgräfliches Mandat aufgefordert, beim Einfall von dergleichen Rotten sich zu bewaffnen und Sturm zu läuten. Der Verwalter Krebs erbat sich acht schwedische Sauvegardisten, welche er da und dorthin verlegte, namentlich nach Ammerndorf. Er hatte Mühe, am Jahresschluß ihrer wieder loszuwerden.

Ammerndorf hatte während des Krieges durch Feuer nicht viel gelitten und erholte sich bald. Schon am 20. April 1650 konnten Verwalter und Richter berichten: „Anjetzo ist der Ort wiederum ganz besetzt. Nur der von den Kriegsvölkern vor vielen Jahren abgebrannte Pfarrstadel muß noch gebaut werden.“ Vor dem Kriege waren dort 40 besteuerte Anwesen und unter den Bewohnern 27 Bauern und Köbler, 2 Müller, 2 Wirthe, 3 Bäcker, 2 Metzger, 1 Schmied, 1 Weber, 1 Häfner, 1 Büttner, 1 Zimmermann, 2 Schneider, 1 Weber, 13 Hausgenossen und Taglöhner. Die mitgetheilten amtlichen Aufzeichnungen beweisen, daß der Krieg nicht erweichend, sondern verhärtend auf die Gemüther der Bewohner eingewirkt hat. Wohlthuend lautet dagegen folgende Aufzeichnung: „Die beiden Wirthe haben die ganze Kriegszeit redlich in dem Orte ausgedauert und haben ratione ihrer Wirthschaften ein viel Mehreres beigetragen, als andere Inwohner.“ Dagegen zeugt von größter Herzenshärtigkeit ein amtlicher Bericht über einen, 15 Jahre nach dem Kriege in Ammerndorf lebenden Pfarrer. In dem Berichte heißt es: „Der Pfarrer paßte am 12. März 1663 Abends 5 Uhr seinen alten Schulmeister ab auf dem Kirchhofe vor der Kirchthür, redete ihn mit Schimpfreden

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Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 152. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_2).pdf/154&oldid=- (Version vom 31.7.2018)