Seite:Georg Muck - Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2).pdf/43

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Der Abt Schopper sandte sofort seinen Probst Hegwein zu Neuhof nach Mkt. Erlbach mit Protest gegen die Okkupation des Pfarrhauses und gegen die beabsichtigte Pfarrbesetzung, zugleich aber auch mit dem Erbieten, einen Mann zu berücksichtigen, welchen die Gemeinde ihm für die Pfarrstelle vorschlagen werde. Bürgermeister und Rath rechneten auf Unterstützung von Seite der Markgrafen; allein die Markgrafen Georg und Albrecht erklärten sich gegen die Gemeinde und forderten den Abt auf, einen andern Priester zu ernennen und nach Onolzbach zum Examen zu weisen. Die Stelle erhielt (1540) Joh. Herzog, bisher Pfarrer in Ammerndorf, wo wir ihn vorhin bereits kennen gelernt haben. Wie dort, so war auch in Mkt. Erlbach sein Verhalten anstößig. Bald nach seinem Einzuge erkrankt, wurde er von seinem Kollegen Gresser treulich unterstützt. Kaum genesen, entzweite er sich mit demselben wegen eines Reichnisses von 2 fl. Gresser wurde in das Pfarrhaus gerufen, daselbst vom Pfarrer und der Pfarrerin geschmäht und schließlich geschlagen. Der Mißhandelte klagte beim Abt, welcher unter Strafandrohung dem Pfarrer sein rohes Verfahren nachdrücklichst verwies. Gleichwohl fuhr Herzog fort, seinem Kaplan und seinem Schulmeister die ihnen schuldigen 2 fl. und 21/2 fl. zu verweigern. Er motivirte die Verweigerung in folgender Weise: „Die fragliche Zahlung wurde ehedem geleistet, da man noch Vigilien und Seelenmessen hielt, wobei die Leute ihr Seelgericht gaben und opferten. Diese Gaben und Opfer beziehe er aber nicht mehr, nachdem Markgraf Georg eine andere Ordnung eingeführt habe.“ Der Abt entschied gegen ihn. In demselben Jahr wurde ihm von seiner Gemeinde ein Faß Wein, das er nicht verungelden wollte, mit Gewalt aus dem Keller genommen. Auf Anrufen von Weinhändlern mußte der Abt wiederholt Weinschulden bei ihm eintreiben lassen. Trotz der ebengedachten Entscheidung des Abts konnte der Kaplan seine 2 fl. nicht erhalten und verklagte daher abermals den Pfarrer und zugleich die Pfarrerin „wegen täglichen Gezänks, Injurien, Schändens und Schlagens“, worauf der Abt dem Probst in Neuhof befahl, des Pfarrers Zehnten in Ziegenrück in Beschlag

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Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_2).pdf/43&oldid=- (Version vom 31.7.2018)