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und böse verführerische Gedanken kommen, haben auch das Exempel Pauli für sich. Ebenso ungeeignet ist die Beschwerde des Kurfürsten über den von uns dem Pfarrer ertheilten Lehensbrief, der gestellt ist, wie von Alters her, nur daß darin auf die Lehre der augsburger Konfession verpflichtet wird, was aber eben der Stein des Anstoßes ist wegen des dort herrschenden Calvinismus. Wäre dieser nicht dazwischen gekommen, so würde die Belehnung eben so wenig beanstandet worden sein, wie zur Zeit des Papstthums und auch nach der Zeit Lutheri unverhindert geschehen ist. Der Kurfürst hat es bloß darauf abgesehen, uns die Pfarren Hirschau und Thumbach zu entreißen und sie, dem Religionsfrieden zuwider, calvinistisch zu machen. Erst mit Anfang dieser verführerischen neuen Sekte fing diese Neuerung an. Wir bitten daher um Schutz gegen diese neuen Eingriffe des Kurfürsten.“ Als nach Jahresfrist noch keine Antwort erfolgt war, bat der Abt den Markgrafen, den Kurfürsten zu erinnern und erbot sich zugleich, einem Calvinisten die Pfarrstelle zu verleihen, nur möge der Kurfürst das Belehnungsrecht dem Kloster nicht nehmen. Allein es erfolgte abermals keine Antwort; der Kurfürst besetzte die beiden Pfarren Hirschau und Thumbach, ohne dem Abt Kenntniß davon zu geben. Das Patronat war dem Kloster für immer entrissen und somit das Band zwischen Heilsbronn und Hirschau für immer gelöst. Darum finden sich in den heilsbronner Aufzeichnungen keine Nachrichten über die späteren Vorgänge in Hirschau während des Reformationsjahrhunderts. Durch anderweitige Aufzeichnungen ist aber bekannt, wie damals die pfalz-bayerischen Landesherren in Hirschau und anderwärts bald Lutherthum, bald Calvinismus, bald Katholizismus eingeführt haben.


20. Kirchthumbach,

nicht weit von Hirschau. Wie Ludwig der Bayer und die bayerischen Herzoge Ruprecht, so war auch der Herzog und Pfalzgraf Rudolf dem Kloster Heilsbronn sehr zugethan. Dankbarkeit, Bewunderung und Verehrung veranlaßten ihn, im J. 1348 dem Kloster das Patronat von Kirchtumbach zu schenken, wie oben

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Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 2). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_2).pdf/98&oldid=3316092 (Version vom 31.7.2018)