Seite:Georg Rusam - Entstehung und Entwicklung der Urpfarrei Sachsen bei Ansbach.pdf/12

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zur ersten Periode zählt, vermutlich auch Eyb als früher Herrensitz. Wenn man auch im einzelnen über die Entstehungszeit dieses oder jenes Ortes verschiedener Meinung sein kann, im großen und ganzen wird dieses aus den Ortsnamen zu erschließende Bild der Siedlungsgeschichte gewiß zutreffen. Genaueres kann noch über die sogenannten Wendenorte gesagt werden (Windischschneidbach = Winterschneidbach, Wolfartswinden, Ratzenwinden, Brodswinden, Bernhardswinden, Meinhardswinden, Dautenwinden, Eglofswinden). Wie Dr. Zellfelder in einem Aufsatz (Bayer. Heimatland 1921, Nr. 32) nachgewiesen hat, übergab König Konrad I. im Jahre 911 dem Kloster St. Gumbertus in Ansbach seinen Besitz in Viereth bei Bamberg „zugleich mit den übrigen Slavenorten“ (una cum ceteris sclavienis oppidis). Von dort haben nun offenbar die Mönche Slaven (Wenden) nach Ansbach kommen lassen, um sie auf ihrem Grund und Boden um Ansbach her anzusiedeln, und zwar als Hörige, die dem Kloster zinspflichtig waren. Diese wurden dabei unter deutsche Herren gestellt, deren Namen heute noch aus den Ortsbenennungen ersichtlich sind (Wolfhard, Bernhard usw.). Der sonst ziemlich ertraglose Waldbesitz wurde auf diese Weise zu einem einträglichen Grundbesitz umgewandelt. Einige Zeit zuvor dürften zwei andere Herrensiedlungen entstanden sein: Hirschbronn und Neukirchen. Sie geben sich durch die Art ihrer Flureinteilung (nicht Gewanne, wie sonst überall, sondern Streifen, von jedem Hof ausgehend bis zur Grenze der Flur und so durchgehend im ganzen Flurbezirk) als Herrensiedlungen, Hirschbronn vermutlich auch vom Gumbertuskloster angelegt, Neukirchen aber von den Herren von Vestenberg, die in diesem Orte späterhin besondere Rechte besaßen (Gemeindeherrschaft, Kirchweihschutz u. a.). Die Besetzung dieser beiden Orte geschah offenbar nicht mit Wenden, sondern mit Deutschen.

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 Wenn wir uns nun daraufhin das Landschaftsbild unserer Gegend um das Jahr 800 vorstellen, so müssen wir daraus alle Orte der späteren Siedlungsperioden und auch noch einen Teil der ersten Periode hinwegdenken. Also, wenn wir nur die nächste Umgebung um Ansbach nehmen, die Orte Neuses, Wasserzell, Schmalenbach, Strüth, Eglofswinden, Hennenbach, Kammerforst, Wengenstatt, Pfaffengreuth, Ober- und Untereichenbach, Katterbach, Neukirchen, Hirschbronn, Steinbach, Wallersdorf, Höfstetten, Brodswinden, Ratzenwinden, Wolfartswinden, Bernhardswinden, Dautenwinden, Dombach, Neudorf, Neunkirchen, vielleicht auch Schalkhausen und Steinersdorf. Mit anderen Worten: Um Ansbach her lag ein ungeheurer Waldbezirk, der sich ostwärts über den ganzen Höhenrücken bis zum heutigen Heilsbronn erstreckte, im Norden bis in die Nähe des Bibertgrundes, hier vielleicht von vereinzelten Siedlungen unterbrochen, im Westen über Lehrberg hinaus und weiter südlich bis gegen Leutershausen, wieder höchstens mit einzelnen kleinen Niederlassungen, dann auf der Südhöhe des Rezatgrundes bis Oberrammersdorf. Ein bescheidener