Seite:Georg Rusam - Entstehung und Entwicklung der Urpfarrei Sachsen bei Ansbach.pdf/8

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gegründet werden. Solche Pfarreien mußten jedoch auch mit den nötigen Einkünften versehen werden. Es mußten weiter Kirchen gebaut und deren Erhaltung sichergestellt werden. Wer aber sollte für unsere Gegend das alles ausführen? Daß die Siedler, weithin zerstreut über das Land, aus eigenem Antrieb sorgten, war nach Lage der Sache vollkommen ausgeschlossen. Nahe lag der Gedanke an das Kloster Ansbach; aber auch dieses war dazu bei seinen geringen Einkünften außerstande. Die Großen des Landes, soweit solche überhaupt in Betracht kamen, bauten lieber Klöster. Der Bischof von Würzburg hatte wohl das vordringlichste Anliegen dazu, aber auch ihm fehlten die nötigen Geldmittel und nicht zum letzten die nötigen Machtmittel. Beides konnte nur ein mächtiger Fürst und Herr zur Verfügung stellen, normalerweise nur der Landesherr. An diesen müssen wir auch bei der Gründung der Urpfarrei Sachsen notgedrungen denken.

 Herr des Landes war damals der Frankenkönig, Karl der Große. Von ihm wissen wir, daß er gern für die Kirche und ihre Ordnung sorgte. Am bekanntesten ist seine Fürsorge für Oberfranken, wo er die 14 sogenannten Slavenkirchen erbauen ließ, Kirchen nebst Pfarreien, die durchaus nicht nur zur Christianisierung der dort wohnenden Slaven bestimmt waren, sondern zugleich zur kirchlichen Versorgung der in Oberfranken weit vorgedrungenen deutschen Siedler, weshalb als mutmaßliche Sitze für diese Kirchen mit Recht meist deutsche Orte neben einzelnen Slavenorten benannt werden. Diese Kirchen hat Karl der Große nicht selbst gebaut, sondern, wie es in einer späteren Urkunde Ludwigs des Frommen heißt, den Bischof von Würzburg damit beauftragt und ihn dazu mit den erforderlichen königlichen Vollmachten ausgestattet. Zum Vollzug sollten auch die Grafen mithelfen. Ähnlich werden wir es uns auch für unsere Gegend vorzustellen haben. Die erwähnte Urkunde Ludwigs des Frommen sagt ausdrücklich, daß dort in Oberfranken Kirchen erbaut wurden „wie an den übrigen Orten der Christen“ (sicut in ceteris christianorum locis). Es ist auch beigefügt, daß es sich nicht um Missionskirchen handelte, sondern um die Versorgung von Leuten, die bereits zum Christentum bekehrt waren (ille populus noviter ad christianitatem conversus). Wenn wir das alles bedenken, so mußte es für Karl den Großen als eine selbstverständliche Pflicht erscheinen, auch für unsere neubesiedelte, ebenfalls zu Ostfranken gehörige Gegend kirchlich vorzusorgen.

 Dazu kam, daß für Karl den Großen noch ein ganz besonderer Grund vorlag, in diesem Sinne einzugreifen. Darauf weist uns der Ortsname „Sachsen“ hin. Man kann diesen Namen beim besten Willen nicht anders erklären als durch die Herleitung von dem Volksstamm der Sachsen. Man kann nicht auf den in Ortsnamen recht seltenen Wortstamm „Sahs“ = Segge (eine Sumpfpflanze) hinweisen, denn Sachsen liegt nicht im Sumpf, sondern auf trockener Anhöhe, und auch die weitere Umgebung ist nicht