Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/103

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der Reformation oft schon Anlaß gegeben, Luther und seine Lehre für den Bauernaufstand und seine Kriegsfolgen Verantwortlichzumachen. Gewiß gab es damals viele Leute, die Religiöses und Politisches mit einander vermengten, denen kommunistische Gedanken durch den Kopf flogen und die die Volksmenge aufzuhetzen suchten. Das waren die Schwärmer und Irrgeister, die Bilderstürmer und andere Unruhstifter, die da und dort sich breitmachen wollten. Aber gegen diese ist gerade Luther mit aller Schärfe aufgetreten und hat sie in ihre Schranken zurückgewiesen. Und wenn sein Wort von der „evangelischen Freiheit“, das doch allein auf Glauben und Gewissen ging, von gewissen Leuten falsch gedeutet wurde, so kann das wieder nicht Luthers Schuld sein, sondern allein die Schuld derer, die Geistliches nicht geistlich, sondern weltlich und politisch verstehen wollten.

 Der Bauernkrieg hatte ganz andere Ursachen, wie schon die Tatsache beweist, daß es längst vor der Reformation Bauernaufstände gab, wie 1476 in Niklashausen (Württemberg), 1491 bei Kempten, 1493 im Badischen (der sog. „Bundschuh“), 1502 im Elsaß, und sonst noch. In Wirklichkeit war es so, wie in dem Abschnitt von der Zeitwende gesagt wurde, daß damals eine allgemeine Unruhe durch das deutsche Volk ging, durch die Bürger in den Städten, durch den Adel auf seinen Burgen, und so auch durch die Bauern auf dem Lande. Es war eben eine neue Zeit im Werden begriffen, neue Anschauungen drangen in das Volk herein, der Wunsch nach größerer Freiheit und nach mehr Recht glühte überall. Ein gewisser revolutionärer Geist war mit dem allgemeinen Umschwung der Zeit und mit dem Aufkommen neuer Verhältnisse verbunden.

 Man hat gesagt, die Bauern seien damals fast erdrückt worden von der Unmenge ihrer Abgaben und Lasten, und man zählte nun die lange Reihe der Groß- und Kleinzehnten, der Getreidegülten und Geldzinsen, der Handlöhne und Frondienste usw. auf, daneben noch die öffentlichen Abgaben, wie Steuern, Gemeiner Pfennig, Umgeld usf. Aber man hat dabei nicht bedacht, daß nicht sämtliche aufgezählte Lasten ohne weiteres auf jedem Bauerngute lagen, sondern daß es immer nur einzelne Lasten für den einzelnen Hof waren, hier diese, dort jene Abgaben, und daß der einzelne Hof im Durchschnitt gar nicht übermäßig belastet war. Nicht wenige Bauerngüter waren sogar sehr gut daran, manche freilich waren im Verhältnis stärker mit Abgaben bedacht. Aber ein erträgliches Maß war es im Grunde überall, wie schon wiederholt durch genaue Nachprüfung festgestellt wurde. Das gilt ganz besonders auch von unserer Gegend. Man gewinnt bei näherer Einsicht in die Verhältnisse den gleichen Eindruck, wie ihn ein Geschichtskenner ausgesprochen hat in den