Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/106

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denn Kaiser Karl V. im Bunde mit dem Papst und den katholischen Fürsten machte alle Anstrengungen, das Feuer der „Ketzerei“, wie man es dort nannte, wieder auszulöschen. Es war nötig, immer wieder gegen die beabsichtigte Vergewaltigung zu „protestieren“, wie es besonders auf dem Reichstag zu Speier 1529 geschah; und es war nötig, stets tapfer für das evangelische „Bekenntnis“ einzutreten, wie es vor allem auf dem Reichstag zu Augsburg betätigt wurde. Markgraf Georg der Fromme hat im Sinne aller evangelischen Fürsten dort zu Augsburg gesprochen, als er vor dem Kaiser erklärte, daß er sich lieber „den Kopf abhauen lassen“ wolle, als daß er „von Gottes Wort abstünde“. Im übrigen sorgten die Türken dafür, daß der Kaiser gegen die Evangelischen nicht so vorgehen konnte, wie er es beabsichtigte; denn immer wieder brachen sie in jener Zeit durch Ungarn gegen die Erblande des Kaisers, gegen Österreich, vor und zwangen dadurch den Kaiser, sich gegen sie zur Abwehr zu stellen. Dazu aber brauchte er notwendig auch die Hilfe der evangelischen Fürsten und Städte, ihr Geld und ihre Soldaten, was sie beides zu gewähren nur willens waren, wenn er sie in der Glaubensfrage unangefochten ließ. Selbst der Schmalkaldische Krieg, den der Kaiser zuletzt i. J. 1546, kurz nach Luthers Tod, gegen die evangelischen Stände führte, und bei dem er zunächst siegreich blieb, konnte nicht sonderlich schaden; die evangelische Bewegung war schon viel zu weit vorgeschritten und viel zu tief im Herzen der Leute verwurzelt. Zwar bemühte sich der Kaiser, eine Wiedervereinigung der beiden Konfessionen herbeizuführen, indem er ein aus katholischen und evangelischen Bestandteilen gemischtes Glaubensbekenntnis, das sogenannte „Interim“, herausgab und dieses allen Reichsangehörigen aufnötigen wollte; aber sowohl von den katholischen Ständen wie von den evangelischen Kreisen wurde es mit aller Bestimmtheit abgelehnt; niemand war damit zufrieden, und es gab nur neue Streitigkeiten. Glaubenswahrheiten lassen sich eben nicht halbieren oder nach Belieben miteinander vermischen. Der Landtag zu Ansbach erklärte sich 1548 ganz entschieden dagegen, ebenso eine Synode von Geistlichen; man wollte höchstens in rein äußerlichen Zeremonien, die mit dem Glauben nichts zu tun haben, nachgeben. Die Regierung in Ansbach schob die Entscheidung immer wieder hinaus trotz des Drängens der Bischöfe von Würzburg und Eichstätt. Aber dann kam der Umschwung, indem der Herzog Moritz von Sachsen mit seinem Heere gegen den Kaiser zu Felde zog und ihn zur Flucht zwang. Es wurde darauf 1555 der Augsburger Religionsfriede geschlossen, der den Evangelischen volle Religionsfreiheit brachte. Dann herrschte Ruhe bis zum Dreißigjährigen Kriege.

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