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II. Der Dreißigjährige Krieg

1. Die Jahre 1618–1630.

 Über hundert Jahre lang durfte die evangelische Pfarrgemeinde Sachsen im Frieden dahinleben. Aber dann kam das furchtbare Verhängnis des Dreißigjährigen Krieges, der in seinem Anfang ein ausgesprochener Glaubenskrieg war, aber je länger je mehr zu einem allgemeinen Krieg der Fürsten und Völker untereinander wurde, wobei nicht mehr der Glaube, sondern die politische Machtstellung den Ausschlag gab.

 In Böhmen brach er im Jahre 1618 aus, griff nach Oberösterreich über (Bauernaufstand 1626) und verzog sich weiterhin nach Norddeutschland. Franken blieb bis 1631 von ihm verschont. Aber man spürte auch hier bald, daß Kriegszeit war. Man hörte von den Heereszügen, die von Süden nach Norden gingen und die nicht sehr weit von hier auf der alten Heerstraße über Weißenburg, Nürnberg und Bamberg vorüberführten; man spürte die zunehmende Preissteigerung aller Lebensmittel und sonstigen Lebensbedarfs. Nicht umsonst wurden 1626 Kriegsbetstunden im ganzen Lande angeordnet. Aber freilich so recht ernst nahm man die Gefahr nicht. Selbst der Pfleger von Lichtenau setzte sich beim Rat der Stadt Nürnberg dafür ein, daß die einstweilen eingestellten Tanzvergnügungen wieder gestattet würden (1622 und 1626). Das Bauernvolk leistete sich auch nach wie vor noch die großen Schmäuse und Trinkgelage bei den Taufen und Hochzeiten.

 Und doch bestand gerade für die Evangelischen die größte Gefahr, auch wenn der Krieg sich vorläufig in der Ferne abspielte. Denn die kaiserlichen Heere waren bis dahin überall siegreich geblieben, und der von den Jesuiten vollständig beherrschte Kaiser Ferdinand II. war fest entschlossen, das von ihm einst abgelegte Gelübde zu erfüllen, die „Ketzerei“ im deutschen Lande vollkommen auszurotten. Der erste Schritt hierzu war das 1529 von ihm herausgegebene Restitutionsedikt, wonach alle seit dem Augsburger Religionsfrieden (1555) evangelisch gewordenen geistlichen Gebiete wieder zum katholischen Glauben zurückzukehren hätten. Wie es weitergegangen wäre, zeigt sein rücksichtsloses Vorgehen in Böhmen, wo er nach der Schlacht am Weißen Berg bei Prag (8. November 1620) alles evangelische Wesen zerstörte und viele Tausende von Familien, die nicht katholisch werden wollten, zwang, auszuwandern und sich in Sachsen und zum kleineren Teile auch in Oberfranken eine neue Heimat zu suchen. Ebenso grausam war sein Vorgehen in Oberösterreich, wovon später noch die Rede