Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/115

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

immerhin noch einige Zucht und Ordnung unter dem wilden Soldatenvolk aufrechterhalten. Die Besatzung von Lichtenau machte übrigens bald darauf wieder einen Ausfall aus der Festung und legte dabei die Dörfer Volkersdorf und Sachsen in Asche. Auch das Pfarrhaus brannte damals ab und konnte erst nach 25 Jahren wieder aufgebaut werden.

 Ähnlich wie aus Sachsen hören wir auch die Klage aus Eyb. Dort schrieb Pfarrer Vogtherr unterm 26. September 1633: Er sei in drei großen Plünderungen um all sein „Armutlein“ gekommen; sein großer Sohn sei am Pfarrhof von der Besatzung aus Lichtenau mit fünf „tödlichen“ Kopfwunden beschädigt worden; seit langer Zeit habe er (der Pfarrer) keine Besoldung mehr empfangen, so daß er mit Weib und sechs Kindern in schwerer Armut kümmerlich leben müsse.

 Um die Mitte des Jahres 1633 rückten endlich die Schweden in Franken ein. Aber das brachte dem Lande keine Erleichterung. Denn was man damals „Schweden“ nannte, waren nur zum geringen Teile noch wirkliche Schweden; die Mehrzahl der Soldaten bestand aus deutschen Hilfstruppen, die in Deutschland angeworben worden waren und die um kein Haar besser waren als die berüchtigten kaiserlichen Soldaten. Diese um Sold gewordenen Menschen stellten meist den Abschaum des Volkes dar. Ihnen war es weder um den Glauben, noch um Volk und Vaterland zu tun, sondern um das freie, wilde Kriegsleben, um Beutemachen, Rauben, Plündern, Vergewaltigung der Frauen, und wenn es darauf ankam, auch um Morden und Brennen. Bei den eigentlichen Schweden bestand zwar anfangs strenge Mannszucht, aber schon bald mußte Gustav Adolf auch bei diesen über allerlei Ausartungen klagen; und als er vollends gefallen war, da ging es bei seinen Leuten rasch abwärts, und es dauerte nicht lange, so taten sie es den anderen völlig gleich. So ist es zu verstehen, daß es dem Lande durchaus nicht besser ging, als die Schweden und ihre deutschen Hilfsvölker an die Stelle der Kaiserlichen traten.

 Schon im Jahre 1632 hatte die Bevölkerung des Altmühltales eine Probe davon zu spüren bekommen, als der 0berst Sperreuther, der mit seinen Leuten im Dienste Gustav Adolfs stand, dort einrückte. Eine Beschwerde nach der andern lief über die von seinen deutschen Soldaten verübten Gewalttaten bei der Regierung in Ansbach ein. Auch Oberrammersdorf und die beiden Breitenbrunn hatten damals Anlaß, sich zu beschweren. Die jetzt im Jahre 1633 einrückenden „schwedischen“ Truppen waren überhaupt keine Schweden, sondern Deutsche, die unter dem Befehl des Generals Bernhard von Weimar standen. Unter ihrer Zuchtlosigkeit hatte die evangelische Bevölkerung nicht weniger zu leiden als vorher