Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/136

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

als markgräflicher Minister die Übergabe des Landes an Preußen vorzubereiten. Unterm 2. Dezember legte dann Alexander endgültig die Regierung nieder, und König Friedrich Wilhelm II. von Preußen erklärte in einer Proklamation vom 5. Januar 1792, daß er die Regierung über das Markgrafentum Ansbach–Bayreuth angetreten habe. Mit der Leitung der beiden Fürstentümer wurde weiter Hardenberg betraut, nun als preußischer Staatsminister mit weitreichenden Vollmachten.

 Hardenberg ging mit Umsicht, Wohlwollen und zugleich Entschiedenheit vor. Er führte eine neue Verwaltung ein, sorgte gleicherweise für das Schulwesen, die Landwirtschaft und Industrie, und brachte überall straffe Ordnung ins Land. Die Landeshoheit dehnte er auch auf die kleineren Staatsgebiete im Fürstentum aus, wie das Deutschordensgebiet in Eschenbach und Ellingen. Selbst gegen Nürnberg ging er vor und ließ durch seine Truppen einen Teil des Landgebietes und sogar die Vorstädte besetzen, nachdem Ansbach schon früher Hoheitsrechte darauf geltend gemacht hatte. Zu einer Unterwerfung der Stadt selbst kam es um deswillen nicht, weil die anderen Reichsstände lebhaft dagegen protestierten. Eben darum blieb auch das Pflegamt Lichtenau von ihm unbehelligt.

 Am 1. Januar 1796 wurde im Markgrafentum das Preußische Landrecht eingeführt. Dagegen blieb im Lichtenauer Bezirk das alte Nürnberger Recht weiterbestehen. Beide Rechte galten bis zum 1. Januar 1900, wo sie von dem für das ganze Deutsche Reich fortan geltenden „Bürgerlichen Gesetzbuch“ abgelöst wurden.

 Als König Friedrich Wilhelm II. im Jahre 1797 starb, erreichte Hardenbergs Wirken sein Ende. Der folgende König Friedrich Wilhelm III. rief ihn nach Berlin zurück, und das Markgrafentum wurde nun von Berlin aus regiert. Das war nicht zum Vorteil des Landes. Überhaupt dauerte der Friedenszustand nicht mehr lange. Als der französische Kaiser Napoleon I. im Jahre 1805 neuerdings einen Krieg gegen Österreich, Rußland und andere Staaten zu führen hatte, ließ er seinen Marschall Bernadotte durch das Ansbacher Land marschieren, obwohl Preußen volle Neutralität bewahrt hatte. Noch im Dezember des gleichen Jahres wurde Preußen von Napoleon gezwungen, Ansbach überhaupt an Frankreich abzutreten, das wiederum am 15. März 1806 das Land an Bayern überließ. Nun wurde das alte Markgrafentum bayerisch, mit Ausnahme der beiden Ämter Crailsheim und Creglingen, die an Württemberg fielen. Die tatsächliche Übergabe an Bayern verzögerte sich jedoch; denn Marschall Bernadotte, der schon am 24. Februar mit seinem Heer in Ansbach erschienen war, beeilte sich gar nicht, die Übergabe zu vollziehen.