Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/17

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 Eines aber war allen Siedlern gemeinsam: Es waren deutsche Bauern, die das Land urbar machten. Sie kamen stets mit ihrer Familie, mit Knechten und Mägden, wohl auch mit Verwandten und anderen angeschlossenen Leuten. Sie brachten einen stattlichen Viehstand, vor allem auch Pferde mit, daneben Schweine, Schafe und Ziegen, ferner das nötige Getreide, hauptsächlich Korn und Haber. Auch Hühnerzucht und Flachsbau war ihnen nicht fremd. Denn das müssen wir festhalten, daß die bäuerliche Kultur in Deutschland schon in frühester Zeit auf einer sehr hohen Stufe stand, höher als in dem vielgerühmten alten römischen Weltreich. Sie bauten sich dann ihre Höfe, eine stets größere Anlage von Wohnhaus mit Stallung, Scheune und Nebengebäuden, vielleicht auch Nebenwohnungen für das Gesinde. Zum Bauen benützte man anfangs immer Holz, das in reicher Menge vorhanden war, sei es, daß man die Baumstämme in Blockform aufeinander legte, oder daß man sich des Fachwerks mit Riegelwänden aus Flechtwerk und Lehmverputz bediente. Das Ganze wurde nebst einem größeren Hofraum und einem kleineren Gartengelände mit einem aus festen Planken gebildeten Zaun umschlossen, der von starken Hunden bewacht wurde. Dieser umschlossene, meist abgerundete Raum bildete dann die Hofrait. Erste Bedingung für eine solche Hofanlage war die unmittelbare Nähe einer Quelle, die das nötige Wasser für Menschen und Vieh lieferte; weiter die Nähe eines guten Wiesengeländes, um für den Winter das Futter für das Vieh zu gewinnen, dann ein ebenfalls nahe gelegenes Ackerland zum Getreidebau; endlich mußte viel Weideland vorhanden sein für das Vieh, das vom ersten Frühjahr ab bis in den spätesten Herbst hinein draußen gehütet wurde. Die Weide konnte vom Hof weiter entfernt liegen, da man das Vieh leicht dorthin treiben konnte; gern wurden dazu Berghänge, auch Wälder genommen.

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 Es war selbstverständlich, daß die ersten Siedler sich den besten Grund und Boden aussuchten. Dieser lag und liegt noch heute an den beiden Talseiten des Rezatgrundes, wo die besten Wiesen und Ackerböden zur Verfügung standen und auch reichlich Quellen flossen. Hier werden also die ersten Höfe entstanden sein, an der Stelle der heutigen Dörfer Alberndorf, Rutzendorf, Volkersdorf, Malmersdorf, Immeldorf, Kirschendorf. Auch Ansbach (alt „Onoldisbach“) ist als Einzelhof sehr früh entstanden, schon vor dem Kloster, also vor 750. Erst nachdem das Rezattal besetzt war, kamen die Seitentäler und Höhenlagen an die Reihe, also in der Pfarrei Sachsen die Orte Milmersdorf, Unterrottmannsdorf, Oberrammersdorf, weiter hinaus Elpersdorf, Kurzendorf, Deßmannsdorf, Wallersdorf, Herpersdorf, Thurndorf und andere. Hierbei ist zu beachten, daß die auf „dorf“ endigenden, fast durchweg mit Personennamen