Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/19

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ergeben sich aus den Ortsnamen, z. B. Razzo (deutscher Kurzname für Radulf, Radbert oder ähnlich) in Ratzenwinden, Wolfhart in Wolfartswinden, Gozbert in Brodswinden (früher „Gozbertswinden“ genannt).

 Eine andere Klostersiedlung, vielleicht um dieselbe Zeit, ist vermutlich Hirschbronn. Durch seine Flur- und Dorfanlage gibt sich der Ort als Herrensiedlung zu erkennen. Die Höfe liegen längs einer geraden Straße, und zwar so, daß die zugehörigen Grundstücke sich unmittelbar an die Hofrait anschließen und in einem entsprechenden Streifen durch die ganze Flur bis an die Grenze gehen. Auch die übrige Flur außerhalb des Dorfes ist in gleicher Weise in durchgehende Streifen aufgeteilt, genau so, wie man es bei ähnlichen Herrschaftssiedlungen anderwärts wahrnehmen kann. Als Siedlungsherr kann nur das Gumbertuskloster in Betracht kommen, da sich sein Waldbesitz, wie nachher noch bei Sachsen gezeigt werden wird, ohne Frage über den ganzen Höhenrücken hin erstreckte, auf dem jetzt Hirschbronn und Kaltengreuth liegen. In Hirschbronn wurden offenbar nicht Wenden, sondern Deutsche angesiedelt.

 Die gleiche Dorfanlage und Flureinteilung wie Hirschbronn zeigt der Ort Neukirchen. Auch dieses Dorf ist darum als Herrensiedlung anzusprechen. Nur daß hier nicht das Gumbertuskloster in Frage kommt, sondern höchstwahrscheinlich die Herrschaft von Vestenberg. Auch dieses uralte Geschlecht besaß in der Gegend größeren Grund- und Waldbesitz und hatte späterhin Vogteirechte in Neukirchen mit Dorf- und Gemeinrecht nebst Kirchweihschutz. Daß frühzeitig in Neukirchen eine Kirche erbaut wurde, läßt sich nur aus dem Umstande erklären, daß der Ort einem anderen Grundherrn zugehörte, und nicht dem Gumbertuskloster, das gewiß nicht seiner nur eine halbe Stunde entfernten Patronatskirche in Sachsen dadurch Abbruch getan haben würde, zumal es anderwärts, z. B. in dem auch fast ganz zum Kloster gehörigen Oberrammersdorf viel mehr Ursache zum Bau einer Filialkirche gehabt hätte.


3. Die Gründung des Ortes Sachsen

 Eine besondere Behandlung verdient der Ort Sachsen in der Siedlungsgeschichte. Man kann diesen Namen nicht gut anders erklären als durch Ableitung von dem Volksstamm der „Sachsen“, die einst in Norddeutschland an den unteren Ufern der Elbe wohnten. Es geht nicht an, etwa wie bei dem Orte Sachsbach bei Bechhofen an den in Ortsnamen recht seltenen Wortstamm „Sahs“ = Segge (eine Sumpfpflanze) zu denken, denn Sachsen liegt nicht in oder an einem Sumpf,