Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/246

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sich der Gedanke einer ganzjährigen Schule durchsetzen, und erst 1758 ist von der Sommerschule als von einer dauernden Einrichtung die Rede. Aber auch dann gab es noch schwere Hemmungen, da eine feste gesetzliche Schulpflicht nicht bestand. So klagte Lehrer Leitner 1787, daß er im Winter rund 100 Kinder habe, im Sommer aber nur die Hälfte. Ähnlich heißt es 1808: im Winter 180-190 Kinder im Sommer nur 70–80. Erst die neuere Zeit hat es fertiggebracht, für das ganze Jahr hindurch einen gleichmäßigen Schulbetrieb einzurichten, wobei den Bedürfnissen der Landwirtschaft immerhin durch entsprechende Ferienzeiten nach Möglichkeit Rechnung getragen wird.

 Nach dem Dreißigjährigen Kriege vernahm man häufig Klagen der Lehrer in Sachsen, daß ihrer Schule durch Nebenschulen Abbruch getan werde. Lehrer Ludwig (1701–1709) beschwerte sich darüber, daß in Oberrammersdorf der dortige Hirte Schule halte; das gleiche täten in Neukirchen und Ratzenwinden die Hirten, in Langenlohe ein Krämer. Diese suchten sich offenbar während der Winterszeit durch das Schulhalten einen Nebenverdienst zu verschaffen, mochte es auch mit ihrem Unterricht noch so schlecht bestellt sein. Ebenso klagte Leinisch 1719 über eine Nebenschule in Steinbach, die dann von der Behörde verboten wurde.

 Eine andere Beschwerde ging auf das Auslaufen der Schüler in auswärtige Schulen. Die Kinder von Untereichenbach hielten sich gerne nach Eyb, die von Külbingen nach Vestenberg. Unter Lehrer Ritter, der allerdings – wie es in einem Berichte heißt – „zwar ein guter Mann“ war, dessen „Kräfte aber zu wenig“ waren, schickten die Leute ihre Kinder teilweise nach Lichtenau, sogar aus Sachsen und Volkersdorf.

 Im übrigen geht durch alle Zeiten in der Vergangenheit die ständige Klage über unregelmäßigen und oft recht mangelnden Schulbesuch. Bloße Mahnungen in der Kirche und durch die weltlichen Behörden halfen nicht viel oder höchstens auf kurze Zeit. Erst die neuzeitliche Schulpflicht auf gesetzlicher Grundlage konnte hier Abhilfe schaffen.

 Mit der zunehmenden Bevölkerung und mit der zunehmenden Erkenntnis von dem Wert eines geordneten Schulunterrichts stieg die Schülerzahl immer mehr. Im Jahre 1808 hören wir von 180–190 Kindern im Winter, 1839 von 171 Schülern, 1859 von 177, 1873 von 154, 1883 von 201. Es ist selbstverständlich, daß von einem gedeihlichen Unterricht bei einer solchen Schülermasse keine Rede mehr sein konnte, wenn und solange nur eine einzige Lehrkraft zur Verfügung stand. Anfangs suchten sich die Lehrer dadurch zu helfen, daß sie Schulkandidaten, die bei ihnen das praktische Schulhalten lernten, zum Unterricht beizogen, wie Lehrer Enzenberger, der sich