Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/29

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Wenden nichts mehr im heutigen Dorf zu finden, denn sie sind längst im Laufe der Jahrhunderte ganz und gar im deutschen Volke aufgegangen.

 Ihre Leibeigenschaft währte überhaupt nicht sehr lange, sondern sie wurden auch in dieser Hinsicht bald den deutschen Siedlern gleichgestellt. Das ersehen wir aus einer Urkunde, die uns aus dem Jahre 1111 erhalten ist und die zugleich die älteste Urkunde aus dem Pfarrbezirke darstellt. Danach übergab ein Herr, namens Acemann mit Familie, als Stiftung „zum Altar des heiligen Gumbert“ den Leibeigenen Abo nebst dessen zwei Söhnen und vier Töchtern, mit der Bestimmung, daß diese jährlich drei Goldmünzen oder dafür den Wert in Wachs oder in Tuch an das Gumbertusstift zu leisten hätten, wofür sie aber dann von jedem weiteren Knechtsdienst befreit sein sollten; nur beim Besitzwechsel infolge Todesfall sollten sie noch das beste Kleid oder das beste Stück Vieh an das Stift abzuliefern haben. Damit wurde diese unfreie Familie aus ihrer Leibeigenschaft gelöst; sie hatte künftig nur ähnliche Abgaben zu entrichten, wie sie auch sonst im Verhältnis zur Grundherrschaft üblich waren. Auf diese Weise konnten sich auch in Ratzenwinden gleichwie in anderen Dörfern weitere Höfe und Güter bilden, wenn diese sich auch in bescheidenen Grenzen halten mußten. Späterhin erscheinen acht größere und kleinere Anwesen.

 Aus der Frühgeschichte des Dorfes sind noch folgende Angaben bekannt: Im Jahre 1240 wies ein Herr Schwigger von Oberbach der Frau Hadwig von Bibelried zur Sicherung ihres Witwenstandes verschiedene Einkünfte zu, darunter die Schutzherrschaft über das Dorf Ratzenwinden. Um 1400 werden verschiedene Abgaben aus dem Dorf an das Stift in Ansbach aufgezählt. 1401 verkaufte Hans Derrer von Nürnberg an das gleiche Stift drei Güter und eine Hofstatt zu Ratzenwinden, die er vom Burggrafen zu Nürnberg–Ansbach als Lehen besaß. 1419 verkaufte Markgraf Friedrich zwei Güter zu Ratzenwinden an Hans Rummel von Nürnberg; dieser veräußerte sie 1443 weiter an Fritz Kreß in Nürnberg, dieser wieder 1502 an Sebastian von Eyb, dieser endlich 1509 an das Gumbertusstift, bei dem es dann dauernd verblieb. 1523 werden zwei „ungezimmerte Güter“ in Ratzenwinden erwähnt, also zwei Güter, zu denen keine Gebäude vorhanden waren. Die Bewirtschaftung dieser Güter geschah jedenfalls von benachbarten Höfen aus. Fernere Mitteilungen siehe S. 319.


Oberrammersdorf

 Bis vor etwa 200 Jahren hieß der Ort stets nur „Rammersdorf“ oder in früheren Zeiten „Rumelsdorf“ (im Jahre 1254), „Rumoltzdorf“