Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/54

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die hierfür nach Lage und Ausdehnung geeignet war: Das ist das jetzige Bickelsche Anwesen samt dem dahinter liegenden Garten, wobei wir uns das Steinbauersche Anwesen Hs.–Nr. 14, das erst viel später gebaut wurde, hinwegzudenken haben. Diese Hofstätte zeichnet sich durch eine große, allseitig abgeschlossene und abgerundete Hofrait aus, wie man sie nur in ältesten Zeiten anzulegen pflegte. Nach drei Seiten hin fällt diese Hofrait (mit Garten) in einem Steilhang ab, der nach Westen sogar durch einen Graben gebildet wird. Man gewinnt den Eindruck, daß die ganze Anlage (Hof mit Garten) einst befestigt war, wenn auch nur durch Wall und Graben und mit einem starken Plankenzaun. Hier muß der alte Pfarrhof gestanden sein, da sich ein anderer Platz nicht finden läßt. Vielleicht erklärt sich daraus auch der Name „Schlosberg“ für den dortigen Dorfteil. Da der Pfarrhof nach allen Seiten hin „abgeschlossen“ war und vermutlich auch ein stattlicheres Gebäude in sich schloß, so konnte er nach damaliger Anschauung sehr wohl als ein „Schloß“ gelten. Jedenfalls befand sich in Sachsen sonst niemals ein anderes Schloß, weder an dieser noch an einer anderen Stelle. Es hat auch niemals irgendeine „Herrschaft“ da gewohnt.

 Mit Recht fragt man wohl, warum der neue Pfarrhof nicht wieder auf seiner alten Stelle aufgebaut, sondern diese einem anderen Bewohner Sachsens, wahrscheinlich einem Bauern, überlassen wurde. Es ist uns darüber nichts berichtet. Wir können nur vermuten, daß vielleicht die hohe Lage dieses Hofes mit seiner schwierigen Einfahrt den Pfarrer Krepflein veranlaßte, den Hof mit einem anderen, in dieser Hinsicht günstiger gelegenen zu vertauschen. Doch mögen auch andere Gründe noch mitgesprochen haben, wie z. B. die größere Nähe des neuen Hofes bei der Kirche und der Sakristei.

 Über die Nebengebäude des alten Pfarrhofes wissen wir nichts Näheres. Es wird wohl ebenso gewesen sein wie im neuen Hof und wie überall bei den alten großen Bauernhöfen. Die Stallung befand sich im Wohnhaus, in dem auch das ausgedroschene Getreide und anderes auf den Dachböden untergebracht wurde. Die Scheune stand auf einer anderen Seite des Hofes, beim neuen Pfarrhof unterhalb des Hofraums gegen den Garten zu. Auf der dritten Seite lagen die Schweineställe, ein Hofhaus mit Wohnungen für das Gesinde und etwaige sonstige Nebenräume. Im neuen Pfarrhof waren auch zwei laufende Brunnen vorhanden, die sich jedenfalls früher beim alten Hofe befanden und nach der Umsiedlung hierher geleitet wurden. Weiteres zum Pfarrhof siehe S. 174.