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12. Die Pfarrpfründe

 Zugleich mit der Errichtung der Pfarrei mußte nach kirchlicher Ordnung das zum Unterhalt der Geistlichen erforderliche Einkommen, die Pfarrpfründe oder das Pfarrwiddum, jetzt Pfarrstiftung genannt, bereitgestellt werden. Dazu gehörten vor allem genügend Grundstücke, die vom Pfarrhof aus zu bewirtschaften waren; dazu zählten weiter die Zehntabgaben, die von den Pfarrangehörigen zu leisten waren. Erst in zweiter Linie und meist erst später kamen dazu noch Gülten und Zinsen von einzelnen Gütern, die zur Pfarrei gestiftet oder auch von der Pfarrei angekauft worden waren; ferner Handlöhne aus solchen Gütern, sonst bestimmte Naturalreichnisse, Sammlungen und dergleichen, endlich persönliche Abgaben der Eingepfarrten.

 Die zur Pfarrpfründe Sachsen gehörigen Grundstücke lagen weit zerstreut umher in den Fluren von Sachsen, Milmersdorf, Volkersdorf, Rutzendorf und Lichtenau. Man merkt es dieser zerstückelten Lage an, daß einst bei der Gründung der Pfarrei die damals vorhandenen Orte verpflichtet wurden, zur Pfarrei nach Möglichkeit Grund und Boden bereitzustellen. Da aber der beste Boden schon von den Ortsbewohnern mit Beschlag belegt war, so erklärt es sich, daß man für den Pfarrhof minderwertigere und abgelegenere Grundstücke zur Verfügung stellte. Sachsen mit seiner kleinen Flur konnte ohnehin nur wenig abtreten (Acker und Wiese im Wasserstall). Volkersdorf gab am meisten Grundstücke, aber nur wenige in der Nähe von Sachsen (Brückleinswiese), einiges bei Volkersdorf (die ehedem recht versumpfte Grundwiese und die magere Pfarrleite), dagegen viel am Herpersdorfer Weg und am Hohlenstein. Es sind im allgemeinen wenig ertragreiche Felder, die zum Teil sogar einst öd lagen. Felder bei Lichtenau mögen von Malmersdorf und Immeldorf aus gegeben worden sein (Immeldorferwegäcker). Eine größere Fläche lag und liegt noch vor dem Strüthof; hier mag Rutzendorf der Geber gewesen sein, wenn nicht etwa das Gumbertuskloster mit einem gerodeten Waldstück sich beteiligte. Auch hier ist die Bonität gering.

 Grundstücke von über 100 alten Tagwerk geben sonst einen stattlichen Bauernhof. Aber hier lagen die Grundstücke meist so weit vom Hof entfernt (1/23/4 Stunden) und waren in der Mehrzahl so geringwertig, daß der Hofbetrieb zwar viel Mühe und Arbeit verursachte, aber nur geringen Ertrag abwarf, so daß ein Pfarrer mit zwei Kaplänen – so viele waren es vor alters – und den notwendigen Knechten und Mägden niemals davon hätten leben können. Es mußten darum notgedrungen noch andere Einkünfte dazukommen.