Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/65

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1803: Die vielen großen Fenster, die Verlängerung des Kirchenschiffes nach Osten hin, die hohen Türen; man muß sich den Turm viel niedriger denken und nicht wie jetzt seitwärts an der Kirche, sondern in der Mitte der Giebelwand, da, wo heute noch die Anschlußsteine aus der Giebelmauer herausragen. Man muß weiter die kleinen schmalen Fenster dicht unter dem Dachgesimse auf der Süd- und Nordseite der Kirche und auch noch am Westgiebel scharf ins Auge fassen; Fenster, die jetzt zwar – bis auf ein kleines am Giebel – zugemauert, aber noch deutlich erkennbar sind. Man muß auch auf das Mauerwerk achten, das ein ungemein festes Gefüge hat und in bestimmter Weise zugerichtet ist. Wenn man alle diese Dinge beachtet, so sieht man klar, daß dieser Kirchenbau ursprünglich die Form einer sogenannten „Basilika“ hatte und vermutlich schon vor dem Jahr 1200 oder doch kurz danach aufgerichtet wurde. So ähnlich baute man damals, wie man anderswo an Kirchen gleichen Alters heute noch sehen kann. Solche Basiliken hatten an Stelle des Chores an der Ostseite nur einen halbrunden Ausbau, den man „Apsis“ nannte. Der Turm war nur je 6 m breit im Geviert und nicht sehr hoch und trug ein vierseitiges schräges Dach. Die am Schlusse auf Tafel Nr. IV beigefügte Zeichnung gibt einen Begriff, wie ungefähr dieser Kirchbau ausgesehen haben mag. Das Schiff war außen etwa 22 m lang und – wie noch heute – 14 m breit, die Apsis innen etwa 6 m breit und 4 m tief. Die Kirche hatte wahrscheinlich nur einen Eingang, und zwar auf der Südseite, ein oben rund gewölbtes Tor. Der jetzt zwischen Turm und Kirche befindliche Durchgang bestand damals noch nicht. Die kleinen schmalen Fenster ließen natürlich nur wenig Licht in den Innenraum der Kirche fallen, so daß auch am Tage ein dämmeriges Halbdunkel herrschte. Die damalige Gemeinde brauchte auch nicht viel Licht, da sie ja noch keine gedruckten Gebet- und Gesangbücher besaß; die wenigen Gebete und Lieder, mit denen sie sich am Gottesdienst beteiligte, kannte sie auswendig und im übrigen verhielt sie sich schweigend im Gotteshause. Nur der Geistliche am Altar mußte mehr Licht haben; aber dort brannten dann die Kerzen; auch waren an dem Rundbau um den Altar (die Apsis) jedenfalls größere Fenster angebracht als am Schiff der Kirche.


b) Der gotische Chorbau.

 Es kam die Zeit, wo man in Deutschland eine andere Bauweise an Stelle der alten einführte, wo man hohe Gotteshäuser mit gewaltigen Chören errichtete, Gebäude mit hohen Spitzbogenfenstern, mit mächtigen Strebepfeilern und prächtigen Zieraten aller Art. Wir denken z. B. an die Johanniskirche in Ansbach, die so um 1441