Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/75

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„neue“ Kirche wurde sie bezeichnet im Gegensatz zur alten Kirche in Sachsen, zu der sie immer im Filialverhältnis stand. Das jetzige Kirchengebäude geht in seinem Grundstock sichtlich auf ein ähnlich hohes Alter wie die Mutterkirche in Sachsen zurück, da sie ähnliche, jetzt allerdings fast ganz verwischte Bauformen zeigt. Doch fehlen hierzu alle urkundlichen Nachrichten. Die Länge der Kirche beträgt 13 m, die Breite 11 m, die Höhe mit Dach etwa 12 m. Ein Dachreiter mit einer Glocke war wohl schon in ältester Zeit aufgesetzt.

 Als Kirchenheilige werden im Salbuch der Pfarrei Sachsen von 1450 die beiden Apostel „Simon und Judas“ genannt, deren gemeinsamer Gedenktag auf den 28. Oktober fällt. Gemeint ist Simon von Kana oder, wie er auch heißt, Simon der Eiferer; und Judas, mit den Beinamen Thaddäus und Lebbäus. In späterer Zeit erscheinen jedoch „Peter und Paul“ als Kirchenheilige, ohne daß ein Grund hierzu ersichtlich ist. Als Tag des Kirchenheiligen (Patrocinium) wurde jedenfalls auch weiterhin „Simon und Judae“ (28. Okt.) gefeiert, allerdings unter dem Namen „Herbstkirchweih“. Die eigentliche und richtige Kirchweih („Kerbei“ oder „Kerbeihe“, wie man in den alten Akten liest) fiel einst auf den Sonntag vor Margareten, also vor dem 13. Juli. Später wird der Sonntag nach Mariae Heimsuchung genannt, also nach dem 2. Juli. Beide Angaben kommen so ziemlich auf die gleiche Zeit heraus. Auch Peter und Paul, nach denen sich heute die Kirchweihfeier richtet, liegt nicht weit davon (29. Juni).

 An den beiden Kirchweihtagen wurde stets ein feierlicher Gottesdienst in Neukirchen gehalten. Gleiches geschah am „Aufertag“, dem Auffahrtstag, d. i. Christi Himmelfahrt. Auch ein Hagelfeiertag mit Flurumritt wurde im Laufe des Sommers gehalten. Außerdem hören wir von einer „Wochenmesse“ in Neukirchen; nach Ausweis der alten Rechnungen kam wöchentlich einmal ein Kaplan von Sachsen nach Neukirchen, um dort eine Messe zu lesen. Das Salbuch von 1450 verzeichnet noch zwei Ablässe, die man sich in Neukirchen erwerben konnte, wenn man sich am Tag der 10000 heiligen Märtyrer (22. Juni) und am Tag der 11000 Jungfrauen (21. Okt.) in der Kirche einfand und vor dem Altar bestimmte Andachtsübungen verrichtete.

 Das Kirchengut, der „Heilige“, wurde von zwei aus der Gemeinde erwählten Heiligenpflegern verwaltet, die jährlich vor dem Pfarrer von Sachsen und vor den Gemeindegliedern Rechnung zu legen hatten. Als Tag der Rechnungsabhör erscheint bald der Sonntag Jubilate, bald der Feiertag Peter und Paul, bald ein anderer Tag. Die Gemeinde war sehr darauf bedacht, die Einkünfte ihres Kirchleins zu vermehren und das Vermögen sicherzustellen.