Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/79

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Außer den Grundstücken werden als Besitz der Bruderschaft noch aufgeführt eine Anzahl „Immerkühe“ (siehe S. 72). Ferner wurden zur Wachsgewinnung Bienen gehalten. Endlich wurden Schafe gegen bestimmte Abgaben ausgeliehen, z. B. im Jahre 1523 an den Wirt zu Leidendorf 18 Schafe gegen eine Leistung von 51/2 fl. (etwa 160 RM heute), an einen Bauern zu Weiherschneidbach ebenfalls 18 Schafe, an andere noch 12 Schafe. Bei der „Einschäftung“ (Aufnahme) in die Bruderschaft wurde entweder Geld gegeben oder eine Kuh gestiftet oder ein wertvolles Kleidungsstück („Röcke“) dargereicht oder sonst etwas geopfert.

 Für die Folgezeit siehe S. 234.


18. Alte Kapellen

 Bei einer Stiftung, die der Ritter Konrad von Heideck i. J. 1277 machte, war unter anderem vorgesehen, daß ein „Licht“ (offenbar ein Ewiges Licht) in der Kapelle St. Oswald unterhalten werden sollte. Eine Kapelle dieses Namens ist sonst innerhalb des damaligen Pfarrbezirkes nicht bekannt. Dagegen erscheint im Salbuch der Pfarrei von 1450 eine andere Kapelle, in deren Altar Reliquien des „Königs Oswald“ aufbewahrt wurden, das ist die Kapelle St. Kunegunde. Auffallenderweise wurden in dieser Kapelle keine Reliquien der hl. Kunegunde aufbewahrt, so daß der Schluß nahe liegt, daß wir es hier mit der einstigen Kapelle St. Oswald zu tun haben, die vielleicht bei irgendeiner Gelegenheit neu geweiht und dabei auch zu Ehren der hl. Kunegunde bestimmt wurde.

 Diese Kapelle stand wahrscheinlich westlich vom Kirchturm nahe an der dortigen Kirchhofmauer. Dort wurden bei der Anlage eines Brunnens noch Grundmauern gefunden, deren Vorhandensein nicht anders erklärt werden kann, als daß hier Überreste einer alten Kapelle zum Vorschein kamen. Diese Kapelle war es dann auch, die nach der Reformation als „Beinhaus“ verwendet wurde, d. h. zur Aufbewahrung der bei Wiederbenützung von Gräbern ausgegrabenen Totengebeine; denn von einem besonders erbauten Beinhaus ist sonst nirgends die Rede. Als Pfarrer Roth i. J. 1763 für seinen Pfarrhof ein Hofhäuslein baute, wurde dazu „das hinter der Kirche befindliche alte Gemäuer von dem verfallenen sog. Beinhäuslein verwendet“, wie es wörtlich in den Akten heißt. Die noch vorhandenen Gebeine wurden wohl daneben vergraben; denn dort wurde noch in der Gegenwart gelegentlich eine große Menge gefunden.