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man eine „Memorie“, d. h. ein öffentliches Gedenken der Toten von der Kanzel im Anschluß an die Sonntagspredigt.

 Vermögende Gemeindeglieder suchten sich nun aber den Segen des erlösenden Meßopfers dauernd für sich und ihre Familie zu sichern, indem sie einen Jahrtag stifteten. Sie übergaben der Pfarrei oder der Kirche bestimmte Grundstücke, Kapitalien oder jährliche Einkünfte aus ihren Gütern mit der Auflage, dafür alljährlich am Todestag der Betreffenden eine oder auch mehrere Messen zu halten zum Heil ihrer Seelen. So stiftete z. B. Hans Seußner von Hirschbronn im Jahre 1495 mit seiner Frau einen Jahrtag, indem er 29 fl. rheinisch (nach heutigem Geldwert etwa 900 RM) aussetzte, wofür dann alljährlich an drei Quatembern (= vierteljährlichen Fasttagen) je eine Messe gelesen und eine Memorie gehalten, am 4. Quatember aber zwei Messen mit vorausgehenden Vigilien zu drei Lektionen vollzogen werden sollten. Neben dem amtierenden Geistlichen sollten dabei auch der Kaplan und der Glöckner mit Gebühren bedacht und den Armen Almosen dargereicht werden. In dem schon oft angeführten Salbuch der Pfarrei Sachsen von 1450 finden wir sowohl für Sachsen als für Immeldorf eine lange Reihe von Jahrtagen vorgetragen. Als Beispiele seien hervorgehoben: Klaus Priester von Sachsen mit Frau und Sohn eine Vigil und vier Messen jährlich; Kunz Hystmann von Alberndorf zwei Messen; Fritz Schmid von Ratzenwinden und Kinder zwei Messen; Peter Schmid von Rottmannsdorf zwei Messen; Pinhenslein und Erben drei Messen und Gedenken im Gottesdienst; Kunz Schmid und Frau von Sachsen zwei Messen, eine Vigilie und Umgang durch die Kirche mit Weihwasser und Weihrauch.

 Eine besondere Einrichtung der Kirche war der Ablaß. Durch bestimmte Leistungen, wie Gang zu einem bestimmten Gotteshaus mit entsprechenden Gebeten und Opfern, konnte man sich einen Anteil an den guten Werken der Heiligen zueignen und damit die Fegfeuerstrafen vermindern. So war in der Krypta unter der Sebastianskirche, wie schon gesagt wurde, ein Ablaß zu erwerben, ebenso in der Kirche zu Neukirchen. Für das Gotteshaus zu Immeldorf sind zweimal päpstliche Ablaßbriefe ausgestellt worden, 1360 und 1459.


c) Heiligenverehrung

 Zur mittelalterlichen Frömmigkeit gehörte vor allem die große Verehrung der Heiligen. Voran stand, besonders im späteren Mittelalter, Maria, die heilige „Jungfrau“, die „Gottesmutter“. Sie wurde auch in Sachsen bei der Neuweihung der Kirche 1323 dem alten Schutzpatron St. Alban vorangestellt. Natürlich bildete für jede Gemeinde der Kirchenheilige einen Gegenstand besonderer Verehrung,