Seite:Georg Rusam - Geschichte der Pfarrei Sachsen.pdf/91

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und fern hatten sich damals mit ihrer Habe in die Stadt geflüchtet. Selbst in der Nähe von Ansbach erschienen sie, und die Stadt mußte eine ungeheure Geldsumme als Brandschatzung erlegen, um von ihnen verschont zu werden. Das Land aber war ihrer Willkür preisgegeben und mußte aufs schwerste unter ihnen leiden.

 Einen dritten Krieg, der das Land heimsuchte, haben wir schon wiederholt bei dem Bericht über den Pfarrhof und die Kirche in Sachsen berührt, das war die Fehde des Markgrafen Albrecht Achilles mit der Stadt Nürnberg und den Bischöfen von Bamberg und Würzburg in den Jahren 1449 und 1450. Wir haben dabei gesehen, wie alle Ortschaften ringsum niedergebrannt wurden, wie auch Sachsen mit Kirche und Pfarrhaus ein Raub der Flammen wurde. Im ältesten Salbuch von Sachsen lesen wir dazu den Eintrag: „Am Abend vor St. Kilian, also am 7. Juli 1450, wurde der Krieg zur Ruhe gebracht.“ Der Markgraf war am Pillenreuther Weiher zwischen Schwabach und Nürnberg von den Nürnbergern, die er spöttisch zum Fischessen eingeladen hatte, unversehens überfallen worden und hatte eine sehr schmerzliche Niederlage erlitten, bei der er selbst beinahe gefangen genommen worden wäre. Sein Enkel Kasimir machte diese Niederlage wieder wett, indem er bei dem Streit über den Affalterbacher Kirchweihschutz im Jahre 1502 die Nürnberger schwer aufs Haupt schlug, wobei die Sage berichtet, die Nürnberger hätten zuvor den Markgrafen auf die Kirchweih geladen.

 Im Nürnberger Pflegschafts-Salbuch von 1515 findet sich ein Hof von Rutzendorf angeführt, der als „Brandstütze“, d. h. als abgebrannte Ruine, bezeichnet wird mit der Erläuterung: „In der SchottenFecht abgebrennt.“ Es ist das der Hof Hs.–Nr. 16 (Hörauf). Dieser Eintrag erinnert an eine Fehde („Fecht“), die mehrere Jahre zuvor der Burgvogt Kunz Schott vom Rotenberg bei Lauf mit den Nürnbergern hatte. Er glaubte sich von Nürnberg schwer beeinträchtigt, sagte der Stadt darum Fehde an, sammelte eine große Schar rauflustiger und beutegieriger Leute um sich und machte nun jahrelang die Straßen um Nürnberg unsicher. Schließlich begann er auch das Nürnberger Landgebiet mit Rauben, Morden und Brennen heimzusuchen. Dieses Gesindel erschien nun auch in der Pflegschaft Lichtenau und brannte dabei den Hof in Rutzendorf nieder. Ob sie im Lande noch weiter Schaden anrichteten, ist nicht bekannt. Es beweist aber diese Fehde, wie unsicher in alter Zeit die Verhältnisse waren und wie sehr die Bevölkerung oft genötigt war, selbst für sich zu sorgen, z. B. durch Befestigung ihrer Friedhöfe, wie bei der Beschreibung des Kirchhofs in Sachsen gezeigt wurde.