Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/11

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deutschen Herren. Die Namen der Orte wurden bereits in dem Abschnitt vom Ausbau der Siedlungen aufgezählt. Diese Beiziehung von Wenden läßt uns ein Doppeltes erkennen: Einmal, daß um diese Zeit – jedenfalls bald nach 911 – noch viel Land um Ansbach her zur Besiedlung offen stand, und sodann, daß deutsche Siedler sich gar nicht sehr herandrängten, um das Land zu kultivieren, sicher aus dem naheliegenden Grunde, weil sie anderwärts leichtere Bedingungen für eine Niederlassung fanden. So hat sich ohne Frage der Ausbau der Landessiedlung noch über das ganze 10. und wahrscheinlich auch noch tief in das 11. Jahrhundert hinein erstreckt; von vereinzelten späteren Nachzüglern nicht zu reden.

 Daß unsere Gegend so spät und so langsam besiedelt wurde, darf nicht Wunder nehmen. Dinklage[1] spricht mit Recht von einer „Kulturfeindlichkeit des Bodens“, allerdings zunächst vom Schwabacher Land; aber das Urteil gilt vom gesamten Keupergebiet von der Rednitz bis zum steilen Westabfall der Frankenhöhe. Es gilt nicht nur von den sterilen Sandböden um die Rednitz, sondern ebenso von den mit Lehm durchsetzten Böden im Westen. Auch wo „etwas mehr Lehm vorhanden ist, ist der Boden wegen des geringen Gefälles der sanften Höhen und Täler feucht und rinnsaldurchsetzt und damit wieder dem Ackerbau wenig günstig“, schreibt Dinklage, und folgert daraus: „Wir verstehen, daß diese Gegend erst spät und dazu spärlich von Menschen besiedelt wurde.“

 Fassen wir zusammen, so ergibt sich ungefähr folgendes Bild von der Zeitfolge der Kolonisationsarbeit im mittleren Rezatgebiet:

 8. Jahrhundert: Besetzung des Rezatgrundes, soweit er günstiges Siedlungsgelände aufwies, daneben wohl noch vereinzelte Ableger in den Seitentälern und auf den Höhen;

 9. Jahrhundert: Ausbau dieser Ableger und neuer Anbau auf dem noch einigermaßen besseren Gelände, hauptsächlich die auf „dorf“ auslautenden Ortschaften, doch auch einige mit anderer Benennung;

 10. Jahrhundert: Bildung der Niederlassungen auf „bach“, untermischt noch mit etlichen „dorf“-Orten, dazu die Wendensiedlungen und andere Niederlassungen;

 11. Jahrhundert: Weiterer Ausbau dieser letztgenannten Siedlungen, Neuanlage besonders der Orte mit Rodungsbezeichnungen und anderen Merkmalen einer Spätsiedlung.


5. Königlich-fiskalische Siedlung?

 Dr. Weigel schreibt[2]: „Als tragende politische und soziale Gewalten der Besiedlung erscheinen das Königtum, dem außer den Ortsnamen auf „heim“ auch die älteren Ortsnamen auf „bach“ zuzuteilen sind, und der Adel; die Kirche spielt noch eine bescheidene Rolle.“ Dieser im allgemeinen wohl für Franken (Unterfranken und Ausläufer) gültige Satz kann nach dem bisher Gesagten für das Gebiet um die mittlere Rezat unmöglich zutreffen. Von einer Tätigkeit fränkischer Könige oder fränkischer


  1. Dinklage 197 f.
  2. Weigel 14, 77.