Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/23

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800 Ansbach noch fast ganz und weithin von Wald umgeben war, während die bereits ansässige Bevölkerung weiter abwärts im Rezattale wohnte, von Alberndorf bis Immeldorf und in deren Umgebung. Ein Pfarrsitz in Ansbach wäre von diesem Kulturmittelpunkt doch allzu weit entfernt gewesen und würde so seinen Zweck nicht oder doch nur zum geringen Teil erfüllt haben. Dazu kamen wirtschaftliche Gründe. Die ansässige Bevölkerung mußte doch bestimmte Einkünfte darreichen für die Kirche und Pfarrpfründe, sie mußte weiter beide mit Grund und Boden fundieren, damit der zum Unterhalt des kirchlichen Personals notwendige Wirtschaftsbetrieb eingerichtet werden konnte. Das alles bedingte den Sitz der Pfarrei in nächster Nähe der zugehörigen Parochianen. Man müßte eigentlich fragen, warum der Pfarrsitz nicht noch weiter talabwärts gelegt wurde, etwa nach Volkersdorf oder in die Nähe des damals allerdings noch nicht bestehenden Ortes Lichtenau. Aber hier entschieden für Sachsen klösterliche Rücksichten. Kirche und Pfarrei sollten auf einem dem Kloster Ansbach gehörigen Grund und Boden errichtet werden, damit dem Kloster das Eigenrecht an beiden gewahrt bliebe. Der nördlich der Rezat auf den Höhen sich hinziehende Klosterwald reichte aber nur bis Sachsen, und darum mußte hier die Kirche stehen, wie denn auch der Sachsenhof offenbar auf Klostergrund erbaut wurde. Tatsächlich besaßen auch Kloster und Stift zu Ansbach von jeher das Patronatsrecht über die Pfarrei Sachsen; ebenso war der Pfarrhof ihr Lehen, wofür den Geistlichen bestimmte Abgaben nach Ansbach entrichtet werden mußten, bis das Lehensrecht im 15. Jahrhundert an das Reiche Almosen in Nürnberg verkauft wurde[1].

 Die Pfarrei Sachsen hatte den gesamten Zehnten von Sachsen einzunehmen, dazu den Großzehnten von Eyb und von Bechhofen bei Windsbach. Damit wird bezeugt, daß die beiden letztgenannten Orte noch zum damaligen Parochialbezirk von Sachsen gehörten, Eyb an der Westgrenze, Bechhofen an der Ostgrenze. Bei beiden handelt es sich jedenfalls um einen Neureuthzehnten, da die Orte sicher erst nach 800, vermutlich sogar erst nach 900 gegründet wurden. Wenn Sachsen nicht auch in den übrigen Orten des Rezattales den Zehnten einzuheben hatte, so erklärt sich dies jedenfalls daraus, daß derselbe bereits dem Kloster überwiesen war. Allerdings scheint das Kloster bzw. das Stift seinen Zehnten später weitgehend veräußert zu haben, was bei der häufigen Geldbedürftigkeit des Stiftes, besonders bei Kirchenbauten nicht verwunderlich ist. Aus Neurodung dürfte auch ein Zehnt auf einem Hof in Milmersdorf für die Pfarrei hervorgegangen sein, ebenso schwache Zehnten auf zwei Höfen in Külbingen.

 Das weitere Pfarrwiddum von Sachsen befaßte einst an die 100 Tagwerk, meist auf minderwertigem Boden. Man erkennt auch aus dieser Tatsache, daß bei der Gründung der Pfarrei der gute Boden ringsumher bereits belegt, die Gegend in der Nachbarschaft bereits hinreichend besiedelt war. Auf besondere Willigkeit der Bevölkerung zur Hergabe von Dotationsgrundstücken wird man aus diesem Umstand ebenfalls nicht schließen dürfen. Die Grundstücke lagen dann noch meistenteils sehr entfernt vom


  1. Rusam 9.