Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/29

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

hohes Alter der Kirche[1]. Das Patrozinium des hl. Stephan könnte zwar alt sein, kommt aber noch im späten Mittelalter vor. Wann und wie Forst zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde, läßt sich urkundlich nicht feststellen. 1291 erscheint Forst als „parochialis ecclesia“ des Bischofs von Würzburg, 1303 inkorporierte Bischof Manegold die Pfarrei dem Gumbertusstift zu Ansbach.


5. Petersaurach mit Dettelsau

 Die Besiedlung des ganzen Höhenzuges zwischen Rezat und Haslach westlich und südlich des heutigen Heilsbronner Forstes kann nicht vor dem 9. Jahrhundert in Angriff genommen worden sein. Am ersten mögen die beiden Orte Ziegendorf und Gleizendorf entstanden sein, zunächst als Einzelhöfe je auf der Höhe an einem steil auslaufenden Seitental mit hohem Quellgebiet und anschließendem ebenen, fruchtbaren Ackergelände und guten in das Tal abstreichenden Wiesen. Petersaurach dürfte frühestens gegen das Ende dieses Jahrhunderts, wahrscheinlicher erst im 10. Jahrhundert angelegt worden sein, da hier schwieriges Gelände – sumpfiger oder doch nasser Boden in flach auslaufender Talmulde – hinderlich war. Nachdem freilich die erste Kulturarbeit geleistet war, konnte sich die Siedlung rasch ausbauen, da reichlich Anschlußgelände zur Verfügung stand. Zu diesem Ausbau wird auch Altendettelsau zu rechnen sein, dem sich in einem gewissen Abstande Neuendettelsau anschloß. Wieder später folgte wohl Wernsbach im Talgrund mit sandigem Gehänge und Feldern auf der Höhe, und ganz spät erst Langelohe und Wicklesgreuth.

 Die Notwendigkeit eines eigenen Gotteshauses in dem natürlichen Mittelpunkt Petersaurach ergab sich wohl schon bald angesichts der weiten Entfernung von der Pfarrkirche zu Sachsen (7–12 km). Der Name des Kirchenpatrons von Petersaurach, St. Peter, kann allerdings nicht für eine bestimmte Zeit in Anspruch genommen werden, da er in allen Jahrhunderten auftritt. Ihn vollends als Beweis für eine frühkarolingische Fiskalkirche werten zu wollen, wie Dr. Weigel tut, erscheint durchaus abwegig. Dem widerspricht schon das alte Filialverhältnis zu Sachsen, das unerklärbar wäre, wenn Petersaurach als Königspfarrei gegründet worden wäre. Geschichtliche und siedlungsmäßige Zusammenhänge bekunden gleicherweise, daß die Kirche dort frühestens im 10. Jahrhundert gebaut worden ist, zunächst als Filiale von Sachsen. In der Inkorporationsurkunde von 1312, worin Petersaurach zugleich mit Sachsen dem Gumbertusstift einverleibt wurde, heißt es: „parochia Urach, filia parochie in Sahsen“. Diese Doppelbezeichnung, einerseits als „parochia“, anderseits als „filia“, dürfte darin zu verstehen sein, daß sich Petersaurach damals bereits auf dem Wege zur Selbständigkeit befand. Bei der weiten Entfernung von Sachsen ergab es sich von selbst, daß ein eigener Geistlicher dauernd in Petersaurach wohnte, wenn auch noch in Abhängigkeit von dem Pfarrherrn in Sachsen. Es ist sogar möglich, daß Petersaurach schon tatsächlich selbständig war und


  1. Schöffel 146.