Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/33

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einst ein Kaplan oder Frühmesser gesessen sei, der aber nach der Reformation seinen Wohnsitz in Dietenhofen genommen habe, auch daß Kleinhaslach vordem eine Filia von Großhaslach gewesen sei, bedarf erst noch der genauen Nachprüfung. Die Filialkirche Warzfelden weist mit St. Mauritius als Patron von selbst in eine spätere Zeit (10. oder 11. Jahrh.).

 Nach Weigel[1] soll der Hauptsitz des Königshofes sich in Bürglein befunden haben, wo dann auch die zur Seelsorgekirche Kleinhaslach gehörige Taufkapelle gestanden sei. Dafür zeuge das Johannes-Patrozinium der dortigen Kirche. Allein auch hier muß das Gleiche wie bei Kleinhaslach festgestellt werden; Die ungünstige Siedlungslage von Bürglein wie auch der Name dieses Ortes lassen unzweideutig eine Spät-Niederlassung erkennen; ein Königshof war in dem engen Tal unmöglich; Johannes der Täufer kommt als Kirchenheiliger zu allen Zeiten vor. Kirchlich stand Bürglein in alter Zeit im Bereiche von Großhaslach und hatte mit Kleinhaslach nie etwas zu tun. Die Pfarrpfründe von Bürglein war einst gut ausgestattet: Ein starker Grundbesitz, daneben ein mäßiger Zehnt in Bürglein, Gottmannsdorf und (Kleinzehnt) zu Triebendorf. Die geringen Zehntrechte dürften sich aus dem Umstande erklären, daß alle vom Kloster Heilsbronn erworbenen Güter und Höfe zehntfrei wurden[2]. Deshalb ist wohl auch seinerzeit aus der Klosterkasse eine größere jährliche Getreideentschädigung an die Pfarrei bewilligt worden. Die Gründung der Pfarrei erfolgte vermutlich durch die ritterliche Herrschaft, die sich dort niedergelassen hatte.


9. Großhaslach

 In dem Abschnitt über die siedelnden Herrschaften wurde bereits ausgeführt, daß Großhaslach einen Mittelpunkt bildete, von dem aus durch sie Vestenberger und Bruckberger Herren allem Anschein nach die Besiedlung der Gegend und anschließend die kirchliche Organisation vorgetragen wurde, teils nördlich, teils südlich des großen Heilsbronner Waldes. Der ursprüngliche Ausgangspunkt war jedenfalls Vestenberg. Aus der Zugehörigkeit der zum Vestenberger Bereich zählenden Orte Neukirchen, Külbingen und Gleizendorf zur Pfarrei Sachsen darf geschlossen werden, daß die alte Grenze dieser Parochie sich anfangs bis zum Haselbach erstreckte, also auch Vestenberg und Großhaslach noch umfaßte. Ersteres löste sich aus dem unmittelbaren Pfarrverbande durch die Errichtung einer Burgkaplanei und Schloßkapelle; in Großhaslach wurde wohl schon frühzeitig der Gedanke einer eigenen Pfarrei verwirklicht. Der Ort weist zwar eine nicht ganz günstige Siedlungslage auf, da zu den auf der Höhe gelegenen Feldern erst ein gewisser Aufstieg zu überwinden ist; aber die Felder liegen eben und sind gut. Die Niederlassung wird deshalb noch ziemlich früh gegründet worden sein, etwa um die Mitte des 9. Jahrhunderts. Die großräumige Flur gestattete eine raschere Entwicklung des Ortes als dies anderwärts möglich war. Nimmt man dazu, daß um die gleiche Zeit auch in der


  1. Weigel 16, 21.
  2. Muck II, 169.