Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/5

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und sonstige Kulturarbeit noch nicht kannte, durfte das Wiesgelände nicht zu klein sein. Anderseits brauchte man nicht so viel Futter, wie heutzutage, da das Vieh vom ersten Frühjahr an bis zum späten Herbst täglich auf die Weide getrieben wurde und man deshalb nur für den Winter vorzusorgen brauchte. Die Wiesen konnten auch entfernter vom Hofe liegen, da sie nicht wie die Äcker zu beaufsichtigen und zu schützen waren.

 c) Eine unbedingte Notwendigkeit für den Haushalt war frisch quellendes Wasser, das naturgemäß in nächster Nähe des Hofes vorhanden sein mußte. Diese Notwendigkeit zwang nicht selten dazu, den Hof an den Rand des Baugeländes zu setzen statt mitten hinein. In ungünstigen Fällen mußte der Hof sogar im Tale errichtet werden, während die Felder auf der Höhe lagen.

 d) Für das in der Regel zahlreiche Vieh (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, auch Pferde) war ausgiebiges Weideland erforderlich. Dazu konnten abgelegene Talgründe, Berghänge, und nicht zum letzten der meist recht lichte und vielfach grasreiche Wald benützt werden. Die Waldnamen „Urlas“ (= Auslassen des Viehes) und „Espan“ (z. B. zwischen Neukirchen und Langenlohe) weisen heute noch darauf hin. Die Weide konnte auch entfernter vom Hofe liegen, da das Vieh leicht dorthin zu treiben war und ein Hirte doch ständige Aufsicht führen mußte. Die oft recht tief ausgetretenen Triebwege sind noch in der Gegenwart da und dort zu erkennen.

 Von dem Wald als einem letzten Erfordernis für die Hofhaltung braucht hier nicht weiter geredet zu werden, da sein Holz überall reichlich zur Verfügung stand und noch steht.

 Unter solchen Gesichtspunkten wird in der Anfangszeit ein Kolonist sich das Land besehen und darnach seine Wahl getroffen haben, gleichviel ob er auf eigene Faust siedelte oder im Benehmen mit einem Grundherrn handelte. Es darf als eine selbstverständliche Sache hingestellt werden, daß die ersten Siedler in unserer Gegend sich immer das beste Land aussuchten. Die Frage, wo die ersten Niederlassungen im Gebiet um die mittlere Rezat zu suchen sind, ist darum gleichbedeutend mit der Frage: Wo treffen wir das beste Siedlungsgelände?

 Ein Überblick über das Land und seine Ortschaften gibt uns unschwer die gewünschte Antwort. Sie lautet: Am geeignetsten für landwirtschaftliche Betriebe war einst ohne Frage der Rezatgrund. Nicht überall, denn auch im Tal der Rezat gab es ehedem viel Sumpf und an den Talrändern viel nassen und sonst ungeeigneten Boden. Aber da, wo das Tal sich ausweitet, wo ein breiteres Ufergelände sich aus dem Überschwemmungsgebiet heraushebt, wo zudem ein fruchtbarer Alluvialboden ansteht, da findet sich ein Gelände, wie der siedelnde Bauer es sich wünschte. Das trifft zuerst auf die Ansbacher Bucht zu, wenigstens auf die beiden Landzungen, die sich zwischen Rezat und Onolzbach einerseits und zwischen Onoldsbach und Dombach anderseits in sanftem Gefälle in das Tal hereinstrecken. Es ist gewiß kein Zufall, sondern entspricht einer siedlungsmäßigen Notwendigkeit, daß wir hier urkundlich von einer Erstsiedlung hören, von der Niederlassung eines gewissen Onold, der dem Bach und weiterhin der Stadt seinen Namen gab; ebenso daß gerade hier von Gumbertus das Kloster gegründet wurde mit dem