Seite:Georg Rusam - Grundlagen und Anfänge kirchlicher Organisation an der mittleren Rezat (Fortsetzung).pdf/9

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jenseits des großen Herzynischen Waldes zwischen Rethradenza (Rezat) und dem Onoldisbach (Onolzbach = Ansbach) gegründet worden ist. Der Name „Onoldisbach“ kann nicht wohl anders gedeutet werden, als „Bach des Onold“, d. h. eines Siedlers, der sich an diesem Bach niedergelassen hatte und nach dem zuerst der Bach und dann die bürgerliche Niederlassung beim Kloster benannt wurde. Nach Lage der Sache kann diese Siedlung des Onold nicht sehr lange vor der Gründung des Klosters erfolgt sein, da aus der Einzelhofsiedlung noch keine Ortschaft erwachsen war, was sonst in der Urkunde von 786 gewiß zum Ausdruck gekommen wäre.

 Über die Zeit der Klostergründung gibt die genannte Urkunde keinen Aufschluß; sie sagt nur, daß ein Großer des Reiches, namens Gumbert, die Stiftung auf seinem Grund und Boden vollzogen, diese aber dann dem König Karl dem Großen übergeben habe. Aus zwei päpstlichen Schreiben von 724 und 748 (siehe später) darf aber geschlossen werden, daß das Kloster schon vor der Mitte des 8. Jahrhunderts gestiftet wurde, etwa um das Jahr 745. Wenn nun um diese Zeit in der für eine Niederlassung so geeigneten Rezatbucht um Ansbach erst ein einzelner Hof stand, so darf mit Recht angenommen werden, daß auch der weitere Rezatgrund noch nicht stärker besiedelt war, sondern daß sich auch dort nur einzelne Höfe befanden, etwa bei Alberndorf, Rutzendorf, Volkersdorf, Waltendorf, Immeldorf. Der große Wald auf unserem Gebiet befand sich offenbar noch ganz im Anfangsstadium seiner Urbarmachung.

 Das entspricht durchaus den Beobachtungen, die man in der weiteren Umgebung machen kann. So ist es längst aufgefallen, daß bei der Gründung des Bistums Würzburg 740/41 aus dem Aischgrund nur eine einzige Königspfarrei dem Bischof übergeben wurde, die zu Klein-Windsheim. Man hat daraus mit gutem Grunde die Folgerung gezogen, daß um jene Zeit die kirchliche Organisation im Aischgebiet noch nicht sehr weit gediehen war, was sich wieder nur daraus erklären läßt, daß auch die Besiedlung der Gegend noch nicht hinreichend vorgeschritten war. Solange aber der fette und schöne Aischgrund noch freies Land bot, hatten die Franken wahrlich keinen Anlaß, in das unwirtliche Keuperwaldland heraufzusteigen. Ähnlich stand es mit den Schwaben, die sowohl im Ries, wie – vielleicht – im mittleren Altmühltal noch genügend Raum zu Niederlassungen fanden und auch hernach noch den oberen Altmühlgrund vor sich sahen. Auch die Bayern hatten, als sie vom Jura herabstiegen, immer noch einen breiteren Streifen guten Landes zur Besiedlung vor sich, ehe sie in den Keuperwald einzudringen veranlaßt waren. So ergibt sich aus allem der notwendige Schluß, daß im mittleren Rezatgebiet die ersten Siedler nicht vor dem 8. Jahrhundert erschienen. Man darf etwa die Zeit um 720 als Beginn der Kolonisation annehmen.

 Daß sich der Ausbau der Siedlungen nur langsam vollzog, wurde schon gezeigt. Einen genaueren Einblick gewährt uns die Ansässigmachung von Sachsen um das Jahr 800[1]. Das Dorf Sachsen besaß von jeher eine


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