Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/116

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Sonate;[H 1] hingebend, liebenswürdig, gedankenlos — ach! was sie nicht alles ist, — auch ein wenig gelehrt. Lauter Augenblick, Gegenwart klingt heraus. Keine Furcht um das, was geschehen, keine Furcht vor dem, was kommen könnte. Und wäre gar nichts daran, man müßte die Corinna-Schwester[H 2] loben, daß sie sich von der Miniatur-Malerei weg zu höheren Formen wendet und ein Bild in Lebensgröße geben will. Hätte ich doch dabei sein können, wie sie die Sonate niederschrieb! Alles hätte ich ihr nachgesehen, falsche Quinten, unharmonische Querstände,[H 3] kurz Alles; denn es ist Musik in ihrem Wesen, die weiblichste, die man sich denken kann; ja sie wird sich zur Romantikerin hinaufbilden, und so ständen mit Clara Wieck[H 4] zwei Amazonen in den funkelnden Reihen.

Nur eines kann sie noch nicht zusammenbringen, die Componistin mit der Virtuosin, an die ich bei ihrem früheren Namen denke. Sie wollte zeigen, daß sie auch Perlen habe, um sich zu schmücken. Das ist aber in der Dämmerungsstunde gar nicht nöthig, wo man, um glücklich zu sein nichts verlangt als Einsamkeit, und um glücklich zu machen, eine zweite Seele. Und so lege ich die Sonate mit mancherlei Gedanken aus der Hand.

Eusebius.


2.


Jetzt an den Löwen![H 5] — Blitzen gleich gehen junge Kritische am liebsten nach hohen Stellen, wie nach Kirchthürmen und Eichenbäumen. — So himmelfest ich überzeugt bin, daß mein liebenswürdiger Eusebius

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Sonate brillante Es-Dur, im Dezember 1834 bei Diabelli in Wien veröffentlicht.
  2. [GJ] Anspielung auf die beiden Romane der Frau v. Staël: Corinna und Delphine. [WS] Anne Louise Germaine de Staël (1766–1817), französische Schriftstellerin. In ihren beiden ersten Romanen Delphine (1802) und Corinne ou l’Italie (1807) stehen für die damalige Zeit relativ emanzipierte und kunstbegeisterte Frauen im Mittelpunkt.
  3. [WS] Quintparallelen und Querstände gelten als dilettantische Verstöße gegen elementare Tonsatzregeln.
  4. [WS] Clara Wieck (1819–1896), deutsche Pianistin und Komponistin, die spätere Frau von Robert Schumann.
  5. [WS] Carl Loewe (1796–1869). Schumann schreibt durchgängig: Löwe. Grande sonate brillante Es-Dur op. 41 (1819).