Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/219

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in das Scalatheater, als gerade Rubini mit der Méric-Lalande sang.[H 1] Denn italiänische Musik muß man unter italiänischen Menschen hören; deutsche genießt sich freilich unter jedem Himmel.[H 2]

Ganz richtig hatt’ ich im Programm zum vorigen Concerte keine Reactionsabsicht gelesen, denn schon die künftigen brachten Hesperidisches. Dabei belustigt mich am meisten der Florestan, der sich wahrhaftig dabei ennüyirt[H 3] und nur aus Hartnäckigkeit gegen einige Händel- und andre -ianer, die so reden, als hätten sie den Samson selbst componirt im Schlafrock, nicht geradezu einhaut in das Hesperidische, sondern es etwa mit „Fruchtdessert“ oder „Tizianischem Fleisch ohne Geist“ u. dgl. vergleicht, freilich in so komischem Tone, daß man laut lachen könnte, ragte nicht sein[H 4] Adlerauge herunter. „Wahrlich“ (meinte er gelegentlich), „sich über Italiänisches zu ärgern, ist längst aus der Mode, und überhaupt warum in Blumenduft, der herfliegt und fortfliegt, mit Keulen einschlagen? Ich wüßte nicht, welche Welt ich vorzöge, eine voll lauter widerhaariger Beethovens oder eine voll tanzender Pesaroschwäne.[H 5] Nur wundert mich zweierlei, erstens: warum die Sängerinnen, die doch nie wissen, was sie singen sollen (ausgenommen Alles oder Nichts), warum sie sich nicht auf Kleines capriciren, etwa auf ein Lied von Weber, Schubert, Wiedebein[H 6] – dann: die Klage deutscher Gesangcomponisten, daß von Ihrem so wenig in Concerten vorkäme, warum sie denn da nicht an Concert-Stücke,

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Teatro alla Scala, ein Opernhaus in Mailand. Giovanni Battista Rubini (*7. April 1794 in Romano (bei Bergamo), †3. März 1854, in Romano), italienischer Sänger (Tenor). Henriette-Clémentine Méric-Lalande (*1798 in Dunkerque, †17. September 1867 in Chantilly), eine seinerzeit berühmte französische Sängerin.
  2. [GJ] Schumanns eigene Erinnerungen. Eingehenderes in seinem Briefe an Wieck, Heidelberg d. 6. Nov. 1829.
  3. [WS] langweilt.
  4. [GJ] Mendelssohns.
  5. [GJ] Rossini war aus Pesaro gebürtig, daher sein Beiname „Schwan von Pesaro“.
  6. [WS] Gottlob Wiedebein (1779–1854), deutscher Kapellmeister und Komponist.