Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/228

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Leben. Vom letzten Satz bleibe weg, wer keine Phantasie hat, seine Räthsel zu lösen.

Ihr am verwandtesten ist die in A moll.[H 1] Der erste Theil so still, so träumerisch; bis zu Thränen könnte es rühren; dabei so leicht und einfach aus zwei Stücken gebaut, daß man den Zauberer bewundern muß, der sie so seltsam in- und gegeneinander zu stellen weiß.

Wie anderes Leben sprudelt in der muthigen aus D dur[H 2] – Schlag auf Schlag packend und fortreißend! Und darauf ein Adagio, ganz Schubert angehörend, drangvoll, überschwenglich, daß er kaum ein Ende finden kann. Der letzte Satz paßt schwerlich in das Ganze und ist possirlich genug. Wer die Sache ernsthaft nehmen wollte, würde sich sehr lächerlich machen. Florestan nennt ihn eine Satire auf den Pleyel-Vanhalschen Schlafmützenstyl;[H 3] Eusebius findet in den contrastirenden starken Stellen Grimassen, mit denen man Kinder zu erschrecken pflegt. Beides läuft auf Humor hinaus.

Die vierhändige Sonate[H 4] halten wir für eine der am wenigsten originellen Composiionen Schuberts, den man hier nur an einzelnen Blitzen erkennen kann. Wie vielen andern Komponisten würde man einen Lorbeer aus diesem einzigen Werke flechten! – im Schubertschen Kranz guckt es nur als bescheidenes Reis heraus; so sehr beurtheilen wir den Menschen und Künstler immer nach dem Besten, was er geleistet. –

Wenn Schubert in seinen Liedern sich vielleicht noch

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Klaviersonate A-Moll op. 42 D845 (1825).
  2. [WS] Klaviersonate D-Dur op. 53 D850 (1825).
  3. [WS] Ignaz Josef Pleyel und Johann Baptist Vanhal, zwei Zeitgenossen Schuberts, die überaus viele und uncharkteristische Stücke schrieben.
  4. [WS] Klaviersonate B-Dur op. 30 D617 (1818).