Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/234

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haben, wie etwa der größere Shakespeare selbst, der bekanntlich die meisten Stoffe seiner Stücke aus älteren oder aus Novellen und dergl. hernahm?

E–s.

Eusebius spricht wahr. Manche Geister wirken erst, wenn sie sich bedingt fühlen, frei.

R–o.




Rossini.[H 1]

Allzu einseitig wäre es, alles Rossini’sche bei uns zu unterdrücken, wenn es nur einigermaßen im Verhältniß zur Aufmunterung deutscher Leistungen stünde. Rossini[H 2] ist der trefflichste Decorationsmaler, aber nehmet ihm die künstliche Beleuchtung und die verführende Theaterferne und sehet zu, was bleibt. Ueberhaupt wenn ich so von Berücksichtigung des Publicums, vom Tröster und Retter Rossini und seiner Schule reden höre, so zuckt mir’s in allen Fingerspitzen. Viel zu delicat geht man mit dem Publicum um, das sich auf seinem Geschmack ordentlich zu steifen anfängt, während es in früherer Zeit bescheiden von Ferne zuhorchte und glücklich war, etwas aufzuschnappen vom Künstler. Und sag’ ich das ohne Grund? Und geht man nicht in den „Fidelio“ der Schröder[H 3] wegen (in gewissem Sinn mit Recht) und in Oratorien aus purem blanken Mitleiden? Ja! erhält nicht der Stenograph Herz, der sein Herz[H 4] nur in seinen Fingern hat, – erhält dieser, sag’ ich, nicht für ein Heft Variationen vierhundert Thaler und Marschner[H 5] für den

Anmerkungen (H)

  1. Die folgenden Bemerkungen scheinen einer früheren Zeit anzugehören. Jetzt ist schon manches anders geworden. A. d. R. [Anmerkung Schumanns in der Neuen Zeitschrift für Musik 1834.]
  2. [WS] Gioachino Rossini (1792–1868), italinischer Komponist, zur Zeit Schumanns Inbegriff des als seicht empfundenen italienischen Stil, dem musikalische Kunstfertigkeit mangelt.
  3. [WS] Wilhelmine Schröder-Devrient (1804–1860), deutsche Opernsängerin. Sie prägte 1822, 17-jährig, die Titelrolle der Leonore in Beethovens Oper Fidelio (1805 uraufgeführt). Vergleiche den romanhaften Bericht von Hans Michael Schletterer in der Allgemeinen Deutschen Biographie.
  4. [WS] Henri Herz (1806–1888), ein zu seiner Zeit außerordentlich erfolgreicher Pianist und Komponist. Schumanns Urteil über ihn als Zeitphänomen siehe S. 256–58.
  5. [WS] Heinrich Marschner.