Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/243

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3.

In der Kirche soll man auf den Fußspitzen gehen, — du aber, Florestan, beleidigst mich durch dein heftiges Auftreten. Im Augenblicke hören mir viele hundert Menschen zu; die Frage ist eine deutsche; Deutschlands erhabenster Künstler, der oberste Vertreter deutschen Wortes und Sinnes, nicht einmal Jean Paul ausgenommen, soll gefeiert werden; er gehört unsrer Kunst an; am Schillerschen Denkmal arbeitet man mühsam seit vielen Jahren, am Guttenbergschen steht man noch am Anfang. Ihr verdientet alle Verspottungen französischer Janins,[H 1] alle Grobheiten eines Börne, alle Fußtritte einer übermüthigen Lord Byronschen Poesie, wenn ihr die Sache sinken ließet oder saumselig betriebet!

Ich will euch ein Beispiel vor die Augen rücken. Spiegelt euch daran! — Vier arme Schwestern aus Böhmen[H 2] kamen vor langer Zeit in unsre Stadt; sie spielten Harfe und sangen. Talent besaßen sie viel, von Schule aber wußten sie nichts. Da nahm ein in der Kunst geübter Mann[1] sich ihrer an, unterrichtete sie, und sie wurden durch ihn vornehme und glückliche Frauen. Der Mann war lange hinüber und nur seine Nächsten erinnerten sich seiner. Da kam vielleicht nach zwanzig Jahren ein Schreiben der vier Schwestern aus fernen Landen und wies genug Mittel an, davon ihrem Lehrer ein Denkmal aufgestellt werden konnte. Es steht unter

  1. Der Cantor der Thomasschule Hiller[H 3].

Anmerkungen (H)

  1. [GJ] Der Kritiker Jules Janin. [WS] Jules Janin (1804–1874), französischer Schriftsteller und Kritiker.
  2. [GJ] Die Geschwister Podlesky. Siehe Anmerkung 66, GJ.I.343–345 Commons. [MK] Die Geschwister Mariane, Franziska, Josepha und Thekla Podlesky, * 1764 in Beraun, † 1852 in Prag).
  3. [WS] Johann Adam Hiller (1728–1804), deutscher Komponist, Gewandhauskapellmeister und Thomaskantor (1789–1801).