Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/251

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darf ich es mir nicht werden lassen! Ja ich fühl’ es ordentlich, wie leicht diejenigen arbeiten, die sich die Ueberflieger zu nennen belieben, wie schöpfungskräftige Geister über alle Gesetze und Satzungen wegsehen, an denen die gewöhnlichen matt anlehnen, und abreiben. Nein, alles so obenweg nur hingeworfen, wie mit dem Besen zusammengekehrt, um daß es nur um so neuer,so großgedachter klingt, — und Satzfehler, Quinten und Octavengänge nur frisch stehen lassen, wie Unkraut in der üppigen Saat! Denn niemand weiß noch, was ein gutes Ohr sich alles gefallen lassen kann. Die altflorentinischen Maler[H 1] der angeblich verdorbenen Schule malten in Kellern, um alle Lichtwirkung so kräftiger und vorherrschender zu machen; Tonsetzer unseres Schlages sollen in Stampfmühlen und Eisenhämmern schreiben, damit nach dem Gepolter sie die Süßigkeit einer Weise schätzen lernen und lehren. Bisher hat es immer schwache Seelen gegeben, die den Fluß, den Strom eines Satzes für etwas Rechtes hielten, und gerade übersahen, daß Geistiges, statt zu fließen, in tausend Richtungen auf zum Himmel spritzet, — wie welche, die ihre Geistesarmuth unter einer gewissen Einheit versteckten, die mir äußerst vertrackt vorkommen will. Ich wie jeder Mann des Tages will sich erlustiren und Neues ist sein Begehr, und wenn so in meinem Bardiet eine Weise nach der andern aufthaut, wie weiland die eingefrornen in Münchhausens Posthorn,[H 2] so wird mir die schöne Welt Dank wissen. Was kann lästiger sein für Manche, als

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Die italienische Schule des 13. bis Mitte 15. Jahrhunderts.
  2. [WS] Eine Episode aus den Geschichten des Baron Münchhausen: An einem kalten Wintertag gefrieren die Töne im Posthorn eines Kutschers. Später taut das Horn in der Schenke auf und gibt die Musik von sich.