Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/288

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herrlich“, woran noch gar Niemand gezweifelt, dann sind solche Taubertsche Concerte gut, die erste Wuth zu stillen und mit höchster Kaltblütigkeit an ihnen den Beweis zu führen, daß man noch componiren könne und erfinden. Denn vom älteren Standpunct aus besehn — was könnte man dem Concerte vorwerfen? Ist es ausgewachsen in der Form, unnatürlich, verworren, zerrissen — die beliebten Worte der Classischen, wenn sie etwas nicht gleich verstehen — und besitzt das Concert, außer der vielgepriesenen Ruhe und Klarheit, nicht noch ganz andere Eigenschaften, die wir in älteren nur hie und da vereinzelt finden, z. B. poetische Sprache, Besonderheit der Situation, Zartheit der Contraste, Verflechtung der Fäden und eine Orchesterbegleitung voll Sprache und Leben? Sehen wir aber vom neuen und neusten Standpunct aus, so kommen wir jetzt auf die „fehlenden Fehler“ des Gewandhausmannes. Wir denken, er meinte so. Wir wissen alle, Diamanten stehen höher im Werth als z. B. Bänder, eine tüchtige Composition höher als z. B. eine von Auber.[H 1] „Nur alles zur Zeit, alles am Ort“, sagte unser Dorfküster Wedel mit der großen aufgeschlagenen Partitur[H 3] vor sich. Mit einem Concerte soll eine hundertköpfige Menge erfreut, womöglich entzückt werden, die wiederum ihrerseits den Virtuosen mit Beifall entzücken soll. Offenbar thun nun namentlich die Franzosen im Gebrauch pikanter Reizmittel und in immerwährender Aufbietung, neue zu erfinden, zu viel des Schlimmen, wir Deutschen aber

Anmerkungen (H)

  1. [WS] Daniel François Esprit Auber (1782–1871), französischer Komponist; Schumann hält ihn für einen „hohen frivolen“, um Qualität unbekümmerten Vielschreiber.
  2. [WS] siehe Neue Zeitschrift für Musik, Band 3 1835, Seite 53–55 Internet Archive.
  3. [GJ] „Die große Partitur“. Aus den Aufzeichnungen des Dorfküster Wedel. (A. von Zuccalmaglio.) S. Neue Zeitschrift 1835, III, 53.[H 2]