Seite:Gesammelte Schriften über Musik und Musiker Bd.1 (1854).pdf/31

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Theodor Stein.[H 1]


Wir würden weniger streng urtheilen, handelte es sich nicht in der That um ein seltneres Talent, das wohl gar gering geschätzt worden ist. Wir lieben die Wunderkinder. Wer in der Jugend Außerordentliches leistet, wird bei stetigem Fortlernen im Alter Außerordentlicheres zu Wege bringen. Gewisse Handfertigkeiten sollen gar so früh als möglich zur Virtuosität ausgebildet werden. Aber das, wodurch unser jugendlicher Künstler sich jenen Namen vorzugsweise erworben, bekämpfen wir als durchaus falsch — das öffentliche Phantasieren in jüngeren Jahren. — Zu ihm, dem wir Talent, ja ein ungewöhnliches zugestehen, sprechen wir nicht, aber zu seinem Führer, seinem Lehrer, nenn’ er sich, wie er wolle.

Wer wird die aufgesprungene Knospe wieder zusammenzufalten versuchen! Es wäre unnütz. Eine früh erwachte Neigung gewaltsam zurückzudrängen, scheint so unnatürlich, als es naturgemäß sein kann, daß sich ein besonderer Sinn beim Einen früher zeitigt und entwickelt

Anmerkungen (H)

  1. [WS] „geboren 1819 in Altona, gestorben 9. März 1893 in Petersburg, konzertierte bereits von seinem zwölften Jahre an mit seinem Vater, lebte zeitweilig zu Stockholm, Helsingors und Reval und ist seit 1872 einer der angesehensten Klavierprofessoren am Petersburger Konservatorium. S. excellierte früher als Improvisator auf dem Pianoforte.“ Hugo Riemann, Musik-Lexikon, 1919, S. 1399.